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Denkmalpflegepreis 2015 Ausgezeichnet: Neue Energie in der alten Mühle

8. Mai 2015 – Medienmitteilung; Erziehungsdirektion

Zum sechsten Mal verleiht die Denkmalpflege des Kantons Bern ihren Anerkennungspreis für die Restaurierung und Weiterentwicklung eines Baudenkmals. 2015 geht die Aus-zeichnung an die Eigentümerfamilie eines historischen Mühle-Ensembles in Wohlen bei Bern. Über mehrere Generationen hinweg hat sie die gesamte Anlage sorgfältig gepflegt und genutzt. Der Denkmalpflegepreis des Kantons Bern würdigt ihr aussergewöhnliches Engagement und die umsichtige Planung. Der Spezialpreis 2015 geht in den Berner Jura an die Fondation de la scierie Paroz in Saicourt. Der engagierte Einsatz vieler freiwilliger Helfer erweckte eine Sägerei aus dem 18. Jahrhundert zu neuem Leben.

Die Hofenmühle in Wohlen bei Bern hat eine lange Geschichte. Die vollen Mehlsäcke sucht man heute zwar vergebens: Seit zwanzig Jahren wird die Mühle nicht mehr als Kundenmühle betrieben. Als Schaumühle zieht sie jedoch regelmässig ein grosses Publikum an. Die beeindruckenden Mühleeinrichtungen sind nach wie vor funktionstüchtig. Der kontinuierliche Unterhalt der historischen Gebäude ist eine grosse Aufgabe für Regula und Niklaus Baumgartner. Ihre Strategie dabei ist es, immer wieder Schwerpunkte zu setzen und die Eingriffe auf das Notwendige zu beschränken. Das oberste Ziel ist die langfristige Erhaltung und Nutzbarkeit. Bei allen Massnahmen werden die Folgen genau abgewogen, damit für die Zukunft alle Optionen offen bleiben.

Teamarbeit auf dem Dach und an der Fassade

Auf das kürzlich restaurierte Dach sind die Eigentümer besonders stolz. Auch die jüngere Generation beteiligte sich mit vollen Kräften an den anspruchsvollen Renovierungsarbeiten. Da eine Nutzung des Dachraumes im Moment nicht zur Diskussion steht, verzichtete man auf einen Ausbau des Dachgeschosses, der unverhältnismässig grosse bauliche Eingriffe verursacht hätte. Das Dach erfuhr aber eine sorgfältige Restaurierung: Die alte Tragkonstruktion wurde repariert, beschädigte Hölzer ersetzt, Lattung und Ziegel sind neu. So blieb die Konstruktion stabil, die einzige Ergänzung ist das dem heutigen Standard entsprechende Unterdach. Die Hülle ist somit wieder intakt, über die zukünftige Nutzung können die nächsten Besitzerinnen und Besitzer entscheiden.

Das für die Dacharbeiten aufgestellte Baugerüst bot eine günstige Gelegenheit, gleichzeitig die Renovierung der Ründe und der Dekorationsmalereien der Fassade in Angriff zu nehmen. Auch diese Arbeiten übernahm die Bauherrschaft zusammen mit einem kleinen Team weitgehend selber. Das Holzwerk erhielt den ursprünglichen kühlen Grauton zurück, den der Restaurator ermittelt hatte. Der aufgefrischte Hausspruch ist wieder so aktuell wie 1834: «(…) bleibe dieses Haus hier stechen, (…) bis die Weld wirt untergechen.»

Das Potenzial nutzen

Damit die Hofenmühle langfristig weiterbestehen kann, braucht es geeignete neue Nutzungen. Die historischen Gebäude in ihrer intakten Umgebung bilden heute das grosse Potenzial. Aus den ehemaligen Ökonomie- und Nebenräumen entstanden inspirierende Ateliers und Werkstätten. Mit baulichen Anpassungen hielt man sich zurück. So wird die unverwechselbare Atmosphäre bewahrt und die Räume bleiben flexibel nutzbar. Damit schafft die Familie Baumgartner die Basis für die Zukunft.

Spezialpreis der Fachkommission: Renaissance einer Sägerei aus dem 18. Jahrhundert

Der Spezialpreis der Fachkommission für Denkmalpflege richtet das Augenmerk nicht auf «Alltagsarchitektur» wie der Hauptpreis, sondern auf eine beispielhafte Restaurierung oder auf eine aussergewöhnliche Einzelmassnahme. Zur Auswahl steht die ganze Palette möglicher Bautypen wie Kirchen, Schlösser und Gasthöfe ebenso wie Wohnhäuser und Villen oder seltene Bautypen wie Wettersäulen und Staumauern. Entscheidende Kriterien sind zum einen die unbestrittene Qualität der Restaurierung, zum andern können auch innovative oder nachhaltige Lösungen den Ausschlag geben.

Dieses Jahr würdigt die Fachkommission für Denkmalpflege mit dem Spezialpreis die Fondation de la scierie Paroz à Saicourt, im Berner Jura. Ihr engagierter Einsatz machte es möglich, dass eine Sägerei aus dem 18. Jahrhundert wieder zum Leben erweckt wurde. Der schlichte Bau ist aus zwei Gebäuden zusammengefügt: In einem massiven Trakt befindet sich eine kleine Dienstwohnung, während die eigentliche Sägerei und die Transmissionsmechanik im daran anschliessenden Holzbau untergebracht sind.

Den Mitgliedern der Fondation de la scierie Paroz gelang es, für die aufwändige Restaurierung der Sägerei eine Reihe freiwilliger Helfer aus der Umgebung zu begeistern. In Zusammenarbeit mit der Bauberatung der Denkmalpflege des Kantons Bern arbeitete die Gruppe mit grossem Respekt an der Instandstellung des historischen Gewerbebaus.

Preisverleihung und Ausstellung, Mühlentag und Führungen

Die Preisverleihung ist öffentlich und findet am Donnerstag, 21. Mai 2015 um 18.30 Uhr im Stadtsaal des Kornhausforums Bern statt. Die beiden ausgezeichneten Objekte werden in der Zeitschrift UMBAUEN+RENOVIEREN porträtiert. Ergänzend dazu präsentiert eine kleine Ausstellung in der Galerie des Kornhausforums zusätzliche Informationen zur Hofenmühle, ihrer Geschichte und zur aktuellen Restaurierung. Mitte Juni wandert die Ausstellung weiter in die Gemeindeverwaltung Wohlen bei Bern, wo sie bis Ende Juli 2015 zu sehen sein wird.

Die Hofenmühle und die Scierie Paroz können auch besichtigt werden: Am Samstag, 16. Mai 2015 findet der traditionelle Mühlentag zum Thema «Der fruchtbare Boden und seine Lebewesen» statt, und am Dienstag, 23. Juni 2015 führen Mitarbeitende der Denkmalpflege zusammen mit der Familie Baumgartner durch die Hofenmühle. Am Donnerstag, 26. Juni präsentieren Mitglieder der Fondation de la Scierie Paroz ihre Sägerei im Betrieb.

Mühlentag am 16. Mai 2015, Hofenmühle, Wohlen bei Bern
«Der fruchtbare Boden und seine Lebewesen», 9–17 Uhr

Ausstellung in Bern vom 21. Mai bis 13. Juni 2015
Galerie Kornhausforum, Di–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–17 Uhr

Ausstellung in Wohlen bei Bern vom 16. Juni bis 24. Juli 2015
Gemeindeverwaltung, Hauptstrasse 26, Mo–Fr 08.30–11.45 Uhr, 13.30–17.00 Uhr (Mo bis 18.00 Uhr, Fr bis 16.00 Uhr)

Hinweis

Mit dem Denkmalpflegepreis zeichnet die Denkmalpflege des Kantons Bern in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift «UMBAUEN+RENOVIEREN» als Medienpartnerin seit 2010 jährlich eine Bauherrschaft aus, die in Zusammenarbeit mit der Fachstelle ein Gebäude mit Alltagsnutzung sorgfältig restauriert und weiterentwickelt hat. Sie legt damit den Fokus auf die zahlreichen charakteristischen, architektonisch, geschichtlich oder technisch interessanten Gebäude, welche die Identität unserer Dörfer und Städte genauso stark prägen wie die Herrschaftsbauten und Kirchen, in deren Schatten sie stehen.

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