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Gymnasialer Unterricht im 9. Schuljahr Durchgehendes, vierjähriges Gymnasium

31. Mai 2013 – Medienmitteilung; Regierungsrat

Nach einer umfassenden Überprüfung des gymnasialen Unterrichts im 9. Schuljahr spricht sich der Regierungsrat des Kantons Bern für einen Systemwechsel aus: Er favorisiert in einem Bericht das Modell «Quarta». Dieses sieht vor, dass Gymnasiastinnen und Gymnasiasten im Normalfall nach dem 8. Schuljahr in die Quarta eines Gymnasiums übertreten. Der Regierungsrat ist überzeugt, dass ein durchgehender, vierjähriger Bildungsgang am Gymnasium die Qualität der gymnasialen Bildung im Kanton Bern verbessert. Der Bericht des Regierungsrats zum gymnasialen Unterricht im 9. Schuljahr geht nun bis am 13. September 2013 in die Konsultation.

Heute sind im Kanton Bern unterschiedliche Organisationsformen im gymnasialen Unterricht im 9. Schuljahr zugelassen. Im deutschsprachigen Kantonsteil kann jede Gemeinde entscheiden, ob ihre Schülerinnen und Schüler den gymnasialen Unterricht im 9. Schuljahr (GU9) in einer speziellen Klasse der Volksschule oder in der Quarta eines Gymnasiums besuchen sollen. Diese unterschiedlichen Schulmodelle geben immer wieder Anlass zu Diskussionen, auch über die Qualität des gymnasialen Unterrichts. In den letzten Jahren wurden im Grossen Rat verschiedene politische Vorstösse zu diesem Thema eingereicht.

Breit abgestützte Suche nach Lösungen

Auch der Regierungsrat will die Qualität des gymnasialen Bildungsgangs weiter verbessern. Deshalb hat er einen Bericht erstellt, der drei verschiedene Varianten für die künftige Ausgestaltung des GU9 im deutschsprachigen Kantonsteil mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen aufführt. Geprüft hat er die Verbesserung des Status Quo, sowie die neuen Modelle «Quarta» und «9/4». Diese sehen beide eine vierjährige gymnasiale Bildung für alle Gymnasiastinnen und Gymnasiasten vor. Bei der «Quarta»-Lösung findet der Übertritt aus der Volksschule nach dem 8. Schuljahr, bei Modell «9/4» nach dem 9. Schuljahr statt. Dabei würde der gymnasiale Unterricht nur noch an den Gymnasien erteilt. Die Möglichkeit, diesen Unterricht im 9. Schuljahr in der Sekundarschule zu besuchen, bestünde nicht mehr. Die Modelle wurden im Anschluss an eine Evaluation im Herbst 2012 in Hearings mit den verschiedenen Anspruchsgruppen diskutiert. Die Ergebnisse sind in den Bericht des Regierungsrats eingeflossen.

Regierungsrat bevorzugt das Modell «Quarta»

Den Status Quo beizubehalten, erscheint dem Regierungsrat nicht als angebrachte, langfristige Lösung, um die bestehenden Schwierigkeiten des Gymnasiums zu beheben. In seinem Bericht zum GU9 spricht er sich klar für einen vierjährigen, ungebrochenen Bildungsgang aus, den die Gymnasien anbieten. Dabei bevorzugt er die Variante «Quarta». Das Modell mit dem Beginn des Gymnasiums nach dem 8. Schuljahr bietet die Voraussetzung, um die Vorgabe des Grossen Rats und der Regierung nach einer höheren Bildungsqualität des gymnasialen Bildungsgangs zu erfüllen. Der hohe Lektionenanteil im Gymnasium lässt sich reduzieren und die Unterrichtsfächer, namentlich das Schwerpunktfach, können optimaler auf die vier Jahre verteilt werden. Die Klassen müssen nur noch einmal zusammengesetzt werden. Zudem bringt das Modell «Quarta» nur für eine Minderheit der Gemeinden und der Schülerinnen und Schüler Änderungen. Eine deutliche Mehrheit der Gemeinden hat bereits jetzt das Modell «Quarta» umgesetzt. Rund zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler treten schon heute nach der 8. Sekundarklasse in die Quarta ein. Das Modell bringt eine einheitliche Lösung für den deutschsprachigen Kantonsteil und entspricht den Organisationsmodellen in den anderen deutschsprachigen Kantonen besser.

Mit der Einführung des Modells «Quarta» ist an den Sekundarschulen mit der Schliessung von rund 14 Klassen im 9. Schuljahr zu rechnen. Andererseits werden etwa 27 zusätzliche Quarta-Klassen an den Gymnasien eröffnet. Im gymnasialen Bildungsgang ist eine leichte Abnahme der Unterrichtslektionen vorgesehen. Deshalb wird die Zunahme der Anzahl Klassen mit der Reduktion der Lektionen im Gymnasium in etwa kompensiert. Somit kann das Modell «Quarta» mindestens kostenneutral umgesetzt werden.

Modell 9/4: Viele Vorteile, aber hohe Kosten

In der Evaluation fand zunächst das Modell «9/4» am meisten Zustimmung. Zusammen mit einer angemessenen Förderung im 9. Schuljahr der Volksschule könnten die angehenden Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die Quarta auf einem höheren Bildungsniveau und um ein Jahr reifer in Angriff nehmen. Trotzdem spricht sich der Regierungsrat aus verschiedenen Gründen gegen dieses Modell aus. Die Ausbildungszeit würde sich insgesamt um ein Jahr verlängern. Weiter bringt die Variante «9/4» gegenüber der heutigen Situation die grösstmöglichen strukturellen Veränderungen. Schliesslich würden auch jährliche Mehrkosten von 12 Millionen Franken entstehen, und es wären einmalige Investitionen in die Infrastruktur der Schulen von zwei Millionen Franken nötig.

Konsultation zum GU9-Bericht bis im September

Der Bericht des Regierungsrats zum GU9 wird bis am 13. September 2013 eine breit angelegte Konsultation durchlaufen. Dabei sollen bis im Herbst die politischen Parteien, die Angestelltenverbände, die betroffenen Gemeinden und Verbände sowie Bildungsinstitutionen die Gelegenheit erhalten, sich zu den verschiedenen Varianten einzubringen. Anschliessend wird die Regierung den Bericht dem Grossen Rat vorlegen. Eine Kommission des Grossen Rats wird ihn beraten, bevor er dem Grossen Rat unterbreitet wird. Sollte sich der Grosse Rat im Sinne des Berichts aussprechen, müsste das Mittelschulgesetz angepasst werden, damit ein einheitliches Modell eingeführt werden könnte. Um den Gemeinden genügend Zeit zu geben, ihre Schulstrukturen dem Modell «Quarta» anzupassen, wird eine Übergangsfrist vorzusehen sein.

Keine Änderungen im französischsprachigen Kantonsteil

Im französischsprachigen Kantonsteil sind keine Veränderungen vorgesehen. Das aktuelle Organisationsmodell mit einem dreijährigen, spezifisch auf das Gymnasium vorbereitenden Bildungsgang an den Sekundarschulen und einem anschliessenden dreijährigen Gymnasium wird beibehalten. Es entspricht der Organisation des gymnasialen Unterrichts in den benachbarten frankophonen Kantonen.

Weitere Informationen: www.erz.be.ch/gu9

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