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PISA 2012 im Kanton Bern Gute bis sehr gute Leistungen der Berner Schülerinnen und Schüler

23. September 2014 – Medienmitteilung; Erziehungsdirektion

In der fünften PISA-Erhebung zeigen die deutschsprachigen Berner Schülerinnen und Schüler in der Mathematik, im Lesen und in den Naturwissenschaften die gleichen guten bis sehr guten Leistungen wie die Schweiz insgesamt. Die Ergebnisse des französisch-sprachigen Kantonsteils fallen etwas schwächer aus. Jugendliche mit Migrationshintergrund verzeichnen wesentlich bessere Leistungen als in der letzten Erhebung. Der Anteil der Lernenden in der Risikogruppe ging im deutschsprachigen Kantonsteil zurück.

Das Erfreuliche zuerst: Die Berner Neuntklässlerinnen und Neuntklässler zeigten im Jahr 2012 in den drei Leistungsbereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften grundsätzlich gute Leistungen, im deutschsprachigen Kantonssteil in Mathematik und Naturwissenschaften mit 529 und 518 Punkten sogar sehr gute Leistungen (Lesen: 505 Punkte). Die deutschsprachigen Schülerinnen und Schüler liegen damit im Deutschschweizer Durchschnitt. Die Jugendlichen im französischsprachigen Kantonsteil erreichen in der Mathematik 516, in den Naturwissenschaften 493 und im Lesen 496 Punkte. Sie schneiden damit etwas schwächer ab als die deutschsprachigen Bernerinnen und Berner und liegen unter dem Durchschnitt der französischsprachigen Schweiz.

Das PISA-Programm ist darauf angelegt, langfristige Veränderungen im Sinne eines Bildungsmonitorings zu verfolgen. Im Vergleich zur ersten PISA-Erhebung im Jahr 2000 haben sich die Schülerinnen und Schüler im deutschsprachigen Kantonsteil beim Lesen um 14 Punkte auf 505 verbessert. Im französischsprachigen Kantonsteil stellen wir von 2006 bis 2012 einen Anstieg der Durchschnittswerte um 10 Punkte fest. Auch der Anteil Lernende in der sogenannten Risikogruppe ging im deutschsprachigen Bern von 19 auf 13 Prozent zurück. Zur Risikogruppe werden Schülerinnen und Schüler mit sehr schwachen Leseleistungen gezählt, die das Kompetenzniveau 2 nicht erreichen und für die deshalb Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule ins Berufsleben zu erwarten sind.

Bessere Leistungen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Der Rückgang der Risikogruppe ist in erster Linie auf wesentlich bessere Leistungen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund zurückzuführen. Diese Gruppe der Jugendlichen weist heute sowohl hinsichtlich Migrationshintergrund (Abnahme des Anteils Jugendlicher der ersten Generation) als auch sozialer Herkunft eine günstigere Zusammensetzung auf. Gleichzeitig ist ihr Anteil zwischen 2000 und 2012 stark gestiegen. Trotz besserer Leistungen sind Jugendliche mit Migrationshintergrund und fremdsprachige Jugendliche in der Risikogruppe weiterhin deutlich übervertreten. Im deutschsprachigen Kantonsteil gehört rund ein Viertel dieser Jugendlichen zur Risikogruppe.

Positive Ergebnisse in der Mathematik

Die Mathematik bildet den Schwerpunkt der Erhebung 2012. Der deutschsprachige Teil des Kantons Bern kann in Bezug auf den Mathematikunterricht eine positive Bilanz ziehen. Die Berner Schülerinnen und Schüler wie auch die Schweiz insgesamt zeigen in zwei Teilgebieten der Mathematik besondere Stärken und Schwächen. Stärken sind – ganz besonders im französischsprachigen Kantonsteil – im Bereich «Raum und Form» zu beobachten. Dieser Bereich entspricht am ehesten dem Lehrplanbereich Geometrie. Die Leistungen im Bereich «Wahrscheinlichkeit und Statistik» sind hingegen unterdurchschnittlich. Mit dem Lehrplan 21 wird der zweite Bereich zu einem eigenen Kompetenzbereich und es ist zu hoffen, dass sich dadurch die Leistungen verbessern.

Mädchen haben sich in der Mathematik verbessert

Entgegen der stereotypen Vorstellung, dass Knaben in der Mathematik besser sind als Mädchen, reduzierte sich der Leistungsrückstand der Berner Mädchen in der Mathematik auf statistisch nicht mehr signifikante 6 bis 7 Punkte. Dennoch ist Angst vor Mathematik bei Mädchen häufiger als bei Knaben. Zwischen 2000 und 2012 hat der Unterschied in den Leseleistungen zwischen Mädchen und Knaben stark zugenommen und beträgt 2012 hohe 51 Punkte zugunsten der Berner Mädchen. Dies entspricht etwa dem Lernfortschritt von anderthalb Jahren.

Schultyp und soziale Herkunft

Hinsichtlich der Chancengleichheit zeigt sich, dass der besuchte Schultyp – Real-, Sekundarschule oder Gymnasialer Unterricht – bei gleichen PISA-Leistungen in hohem Mass vom wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Status der Eltern abhängt. Im französischsprachigen Kantonsteil besteht in der «section générale» ein Übergewicht an Schülerinnen und Schülern fremdsprachiger Herkunft oder aus einer sozial schlechter gestellten Bevölkerungsschicht. Die sozial benachteiligten Schülerinnen und Schüler erbringen Leistungen, welche deutlich tiefer liegen als jene der andern Schülerinnen und Schüler. Und dies unabhängig von der «section», in der sie eingeschult wurden.

Zusammenarbeitsmodelle haben keinen Einfluss auf die Leistungen

Im Kanton Bern können die Gemeinden auf der Sekundarstufe I zwischen separativen, kooperativen und integrierten Schulmodellen wählen. Im Hinblick auf die Gleichheit der Bildungschancen ist das Ergebnis wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler unabhängig vom gewählten Modell ein gleichwertiges mittleres Leistungsniveau aufweisen. In den kooperativen und integrierten Modellen können die Jugendlichen den Unterricht in Deutsch, Französisch und Mathematik auf verschiedenen Niveaus besuchen. Dies erlaubt einen besser an die individuellen Fähigkeiten angepassten Unterricht und einen etwas einfacheren Schultypwechsel. Im französischsprachigen Kantonsteil hat man in den drei untersuchten Fächern zwischen der «section générale» und der aufs Gymnasium vorbereitenden «section» Leistungsunterschiede in der Grössenordnung von 25 Prozent festgestellt.

Resultate des Kantons Bern und Bericht

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