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Universitäre Psychiatrische Dienste Bern (UPD) Neue Therapie für suizidale Menschen

3. März 2016 – Medienmitteilung; Gesundheits- und Fürsorgedirektion

Forschende der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) haben eine wirksame Therapie für Menschen entwickelt, die einen Suizidversuch unternommen haben. Mit der neuartigen Therapie kann das Risiko weiterer Suizidhandlungen deutlich gesenkt werden. Die Forschenden konnten ihre Studie und ihre Ergebnisse in der neuesten Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift PLOS Medicine publizieren.

In einer Studie mit 120 Patientinnen und Patienten konnten Forscherinnen und Forscher der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) zeigen, dass mit der neuartigen Therapie ASSIP (Attempted Suicide Short Intervention Program) das Risiko weiterer Suizidhandlungen über 24 Monate hinweg um mehr als 80 Prozent reduziert werden kann. Ein erfolgter Suizidversuch ist der grösste Risikofaktor für weitere Suizidversuche. Deshalb ist es wichtig, eine wirksame Therapie zur Verfügung zu haben. Bis jetzt konnte mit sehr wenigen Therapien, eine Wirkung auf das Suizidrisiko belegt werden.

Drei bis vier Konsultationen

Bemerkenswert an ASSIP ist, dass die Therapie aus bloss drei bis vier Konsultationen besteht. Diese werden ergänzt durch standardisierte Briefe, die zuerst alle drei, später alle sechs Monate über insgesamt zwei Jahre an die Patientinnen und Patienten versandt werden. Die Therapie findet meist in einem ambulanten Rahmen statt und ist als Ergänzung zur üblichen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung gedacht. Ein wichtiger Befund ist im Weiteren, dass die mit ASSIP behandelten Patienten im Verlauf signifikant weniger Tage in stationärer psychiatrischer Behandlung waren. Die Forscher erwarten daher, dass  mit dem neuen Therapieprogramm nicht nur Leben gerettet werden, sondern auch Behandlungskosten reduziert werden können.

Suizidalität als psychischer Ausnahmezustand

Das Besondere an ASSIP ist, dass Suizidalität nicht als Ausdruck einer psychischen Erkrankung, z.B. einer Depression, verstanden wird, sondern als psychischer Ausnahmezustand, der durch ein inneres Erlebnis von psychischem Schmerz ausgelöst wird. Psychische Schmerzen können z.B. durch Trennungen ausgelöst werden. In einem solchen Ausnahmezustand wird die Hirnfunktion derart verändert, dass der Mensch nur noch kurzfristig denken und handeln kann. Er hat einzig das Ziel, diesem als unerträglich erlebten Schmerz ein Ende zu bereiten. In der Therapie mit ASSIP wird mit dem Patienten die persönliche Geschichte, die zum Suizidversuch geführt hat, geklärt. Ausgehend davon werden ganz individuelle Verhaltensstrategien entwickelt, die bei weiteren suizidalen Krisen eingesetzt werden müssen, bevor der Mensch in einem Zustand ist, in dem die Suizidhandlung wie in Trance von selber abläuft. Mit den Briefen werden die Patienten regelmässig an die erarbeiteten Verhaltensmassnahmen erinnert. Die Botschaft lautet: Wir können nicht verhindern, dass Sie in Zukunft wieder in eine suizidale Krise geraten können. Aber mit den erarbeiteten Strategien werden Sie zukünftige Krisen überleben.

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