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Konsultation zur Beurteilung mit dem Lehrplan 21 Beurteilung soll vereinfacht und verbessert werden

3. Juni 2016 – Medienmitteilung; Erziehungsdirektion

Die Einführung des Lehrplans 21 bringt im Kanton Bern verschiedene Änderungen an der bisherigen Beurteilungspraxis. Neben zwingenden Anpassungen bietet der neue Lehrplan die Chance, die Beurteilungsberichte zu vereinfachen und deren Anzahl zu reduzieren. Im Gegenzug soll die förderorientierte Beurteilung mehr Gewicht erhalten. Dieses Ergebnis aus Hearings mit rund 2000 Lehrpersonen schickt die Erziehungsdirektion nun in eine breite Konsultation.

Der Lehrplan 21 verändert die Beurteilung der Kinder und Jugendlichen nicht grundlegend: Das Erreichen der Ziele, die sich die Lehrpersonen für den Unterricht setzen, bleibt der wichtigste Massstab. Zudem sieht der Kanton Bern keine flächendeckenden, standardisierten Tests vor. Die Einführung des Lehrplans 21 erfordert aber einige Anpassungen bei den Beurteilungsberichten. So stimmen einzelne Fächerbezeichnungen nicht mehr mit den neuen Begriffen im Lehrplan 21 überein.  Neben diesen zwingenden Anpassungen bietet die Einführung des neuen Lehrplans die Chance, die Beurteilung zu vereinfachen und zu verbessern. In den letzten zwei Jahren hat die Erziehungsdirektion in Hearings mit rund 2000 Lehrerinnen und Lehrern über eine Reihe von entsprechenden Vorschlägen diskutiert. Zu den Ergebnissen dieser Gespräche führt die Erziehungsdirektion ab heute bis Mitte September 2016 eine breit angelegte Konsultation durch.

Weniger Beurteilungsberichte und Schullaufbahnentscheide

Der Lehrplan 21 gibt der formativen Beurteilung der Schülerinnen und Schüler ein stärkeres Gewicht, d.h. die Förderung und Unterstützung der Schülerinnen und Schüler steht im Zentrum. Zu häufige Beurteilungsberichte behindern diesen Prozess. Deshalb soll es mit dem Lehrplan 21 weniger Beurteilungsberichte und Schullaufbahnentscheide geben. Im Kindergarten und in der 1. Klasse fallen sie künftig ganz weg. Den ersten Beurteilungsbericht gibt es am Ende des 2. Schuljahres, d.h. am Ende des ersten Zyklus. Die nächsten Beurteilungsberichte erhalten die Kinder Ende des 4., 5., und 6. Schuljahres. Auf der Sekundarstufe I (7. bis 9. Schuljahr) sieht die Erziehungsdirektion statt halbjährliche neu jährliche Beurteilungsberichte und Schullaufbahnentscheide vor. Individuelle beschwerdefähige Schullaufbahnentscheide können, wenn dies nötig ist, jedoch während der ganzen Volksschulzeit flexibel getroffen werden.

Beurteilung wird vereinfacht und auf zwingende Inhalte beschränkt

In den Hearings wurde der Wunsch geäussert, die Beurteilung zu vereinfachen. Deshalb soll sich der Beurteilungsbericht in Zukunft auf Inhalte beschränken, die laut kantonaler Gesetzgebung zwingend sind. Auch mit dem Lehrplan 21 werden die Fächer gemäss Volksschulgesetz ab dem 3. Schuljahr mit einer Note beurteilt. Verzichtet werden soll in Zukunft auf die Beurteilung des Arbeits- und Lernverhaltens. Diese überfachlichen Kompetenzen sind zentraler Gegenstand des Standortgesprächs mit den Eltern und sollen nicht mehr Teil des Beurteilungsberichts sein. Im Weiteren wird die Beurteilung der Fächer in Zukunft nicht mehr in einzelne Kompetenzbereiche unterteilt.

Standortgespräch weiterhin jährlich, neu mit Protokoll

Auch mit dem neuen Lehrplan wird ab dem Kindergarten bis in die 9. Klasse jährlich ein Standortgespräch zwischen den Eltern und den Lehrpersonen stattfinden. Es ist das Kernstück der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Eltern. Das Standortgespräch bietet Gelegenheit, die schulische Entwicklung sowie das Verhalten des Kindes zu thematisieren, sich über Lern- und Leistungsstand auszutauschen, die Förderung von besonderen Begabungen und den Umgang mit Schwächen zu besprechen. Neu soll ein einfaches Protokoll verbindlich erklärt werden, in welchem die besprochenen Themen und die Absprachen zwischen Lehrperson, Eltern, Schülerinnen und Schülern jährlich festgehalten und unterschrieben werden.

Separates Portfolio zu den überfachlichen Kompetenzen im 8. und 9. Schuljahr

Insbesondere die Lehrbetriebe, aber auch die weiterführenden Schulen wollen auf eine umfassende Beurteilung zurückgreifen können, die über eine fachliche Bewertung der Leistungen hinausgeht. Deshalb werden im 8. und 9. Schuljahr ausserhalb des Beurteilungsberichts auch die überfachlichen Kompetenzen der Jugendlichen festgehalten. Es handelt sich einerseits um die personalen Kompetenzen, andererseits um die für die Berufswahl wichtigen Schlüsselkompetenzen. Sie werden jeweils Ende des ersten Semesters des 8. und 9. Schuljahres auf einem separaten Formular in Form eines Portfolios ausgewiesen. Die Einschätzung umfasst die Sicht der Lehrpersonen sowie eine Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler.

Gleiche Übertrittsfächer und -verfahren

Das Übertrittsverfahren von der Primarstufe in die Sekundarstufe I wie auch jenes ins Gymnasium und in andere schulische Ausbildungen der Sekundarstufe II ändern mit dem Lehrplan 21 nicht. Dies ist das Fazit einer umfassenden Prüfung von Alternativen. Für den Übertritt auf die Sekundarstufe I bleiben die Fächer Deutsch, Französisch und Mathematik massgebend. Jede geprüfte Änderung würde neue Nachteile bringen. Für den Eintritt ins Gymnasium ab der 8. oder 9. Klasse sind weiterhin die Fächer Deutsch, Französisch, Mathematik und Natur-Mensch-Gesellschaft (NMG) massgebend; am Empfehlungsverfahren mit einer Berücksichtigung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen wird festgehalten. Einige Anpassungen gibt es lediglich in der Terminologie.

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