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Versorgungsplanung 2016 nach Spitalversorgungsgesetz Kanton stellt die Grundlage für die künftigen Spitallisten vor

20. Juni 2016 – Medienmitteilung; Gesundheits- und Fürsorgedirektion

Welche spitalgebundenen Angebote benötigt die bernische Bevölkerung in den nächsten vier Jahren? Diese Frage beantwortet die jüngste Versorgungsplanung, die die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern den betroffenen Kreisen zur Konsultation zugestellt hat. Ziel ist es, für die gesamte Bevölkerung ein ausreichendes Angebot bereitzustellen, das qualitativ gut, wirtschaftlich tragbar und gut zugänglich ist. Die Versorgungsplanung ist die Grundlage für die künftigen Spitallisten und umfasst die Bereiche Akutsomatik, Rehabilitation, Psychiatrie, Rettungswesen und die Ausbildung der nicht universitären Gesundheitsberufe.

Der Anteil der 65-jährigen und älteren Patientinnen und Patienten, die stationär in einem der bernischen Spitäler behandelt und gepflegt werden, wird bis 2020 voraussichtlich zunehmen. Hingegen ist bei der Geburtshilfe eine rückläufige Tendenz zu erwarten. Dies sind zwei von zahlreichen Aussagen, welche die Versorgungsplanung für die Jahre von 2016 bis 2020 der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern macht. Da die medizinischen Pflege- und Behandlungsmethoden stets weiterentwickelt werden und sich die demografische Struktur der Bevölkerung verändert, muss nach dem kantonalen Spitalversorgungsgesetz der Bedarf an erforderlichen Leistungen alle vier Jahre überprüft werden. Die nun dritte Versorgungsplanung für den Kanton Bern berücksichtigt auch die seit dem Jahr 2012 geänderten Rahmenbedingungen im Krankenversicherungsgesetz des Bundes, mit der neuen Spitalfinanzierung und der freien Spitalwahl für Patientinnen und Patienten.

Mit den in der Versorgungsplanung definierten Grundsätzen wird sichergestellt, dass die Berner Bevölkerung auf dem gesamten Kantonsgebiet eine qualitativ gute und wirtschaftlich tragbare Gesundheitsversorgung erhält. Die mit der Spitalstandortinitiative angestrebte Zementierung der Standort- und Angebotsstruktur bei den öffentlichen Spitälern bringt hingegen keinen Mehrwert. Eine Annahme der Initiative würde es vielmehr erschweren, künftig die angestrebten Grundsätze von Qualität und Wirtschaftlichkeit einzuhalten.

Neue Quellen für Prognose beigezogen

Um eine Prognose zum künftigen Bedarf der erforderlichen Leistungen machen zu können, hat die Gesundheits- und Fürsorgedirektion die Leistungsdaten der medizinischen Statistik des Bundes für die Jahre von 2010 bis 2013 ausgewertet. Zudem hat sie neue Quellen beigezogen: So hat sie erstmals bei mehr als 40 schweizerischen medizinischen Fachgesellschaften eine umfassende Umfrage zur qualitativen Entwicklung durchgeführt. Neu hat sie zudem eine Erhebung des Angebots bei allen Listenspitälern und weiteren interessierten Spitälern gemacht, um die Angebotsentwicklung der Leistungserbringer frühzeitig abschätzen zu können. Zudem hat die Gesundheits- und Fürsorgedirektion erstmals wichtige Kennzahlen wie die Hospitalisationsrate oder die mittlere Aufenthaltsdauer gesamtschweizerisch verglichen.

Prognosen für fünf Versorgungsbereiche

Die spitalgebundene Versorgung der Bevölkerung im Kanton Bern hat die Gesundheits- und Fürsorgedirektion in fünf Bereichen untersucht: Akutsomatik, Rehabilitation, Psychiatrie, Rettungswesen und die Ausbildung der nicht universitäre Gesundheitsberufe.

  • Akutsomatik: Bedarfsprognose: Der Anteil der über 65-jährigen Patientinnen und Patienten in der stationären Behandlung nimmt deutlich zu, dagegen dürfte die Zahl der Geburten zurückgehen. Schwerpunkte: Überprüfung der palliativen und geriatrischen Versorgung, Versorgung von Schlaganfallpatienten, Notfallversorgung, Geburtshilfe und die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen.
  • Rehabilitation: Bedarfsprognose: Zunahme von 10,6 Prozent entsprechend der demografischen Entwicklung der Bevölkerung. Schwerpunkte: Überprüfung der Nutzung der geriatrischen und der psychosomatischen Rehabilitation und der stationären Versorgung von Kindern und Jugendlichen.
  • Psychiatrie: Bedarfsprognose: Sehr geringe Zunahme in der stationären Psychiatrie, deutlicher Anstieg der Fallzahlen in der Alterspsychiatrie (+15 Prozent). Schwerpunkte: Überprüfung der stationären Grund- und Notfallversorgung, stationären Versorgung von Kindern und Jugendlichen und der ambulanten gemeindeintegrierten Akutbehandlung zu Hause.
  • Rettungswesen: Bedarfsprognose: Durch die Zunahme der Einwohnerzahl und der pflegebedürftigen sowie der geriatrischen Patientinnen und Patienten ist mit einer Zunahme der Einsätze zu rechnen. Schwerpunkte: Prüfung von betrieblichen und baulichen Massnahmen, um die Frist für die Einsätze und Hilfeleistungen zu verbessern, Prüfung zusätzlicher Standorte von Stützpunkten.
  • Nicht universitäre Gesundheitsberufe: Eine wesentliche Voraussetzung für eine bedarfsgerechte und qualitativ gute Versorgung der Bevölkerung sind gut ausgebildete Fachleute. Seit dem letzten Jahr sind die Leistungserbringer im Kanton Bern verpflichtet, 90 Prozent der verfügten Ausbildungsleistungen zu erbringen. Für den Kanton betragen die Kosten 19,7 Millionen Franken pro Jahr, wenn alle Leistungserbringer der Ausbildungsverpflichtung nachkommen.

Kostenprognose

Die im Rahmen der Versorgungsplanung prognostizierten Ausgaben des Kantons belaufen sich auf insgesamt 1,2 Mia. Franken im Jahr 2020. Sie beruhen im Wesentlichen auf den Kosten, die durch die vermehrte Inanspruchnahme von Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung in inner- oder ausserkantonalen Spitälern von Bernerinnen und Bernern verursacht werden.

Weiteres Vorgehen

Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion hat die Versorgungsplanung 2016 heute Montag in die Konsultation geschickt. Die betroffenen Kreise können bis 31. August 2016 dazu Stellung nehmen. Der Regierungsrat wird voraussichtlich im Herbst die Versorgungsplanung 2016 verabschieden und dem Grossen Rat zur Kenntnis unterbreiten.

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