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Nacht der Religionen in Bern Regierungsrat Christoph Neuhaus bittet Täuferinnen und Täufer um Verzeihung

17. November 2017 – Medienmitteilung; der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion, der Kirchgemeinde Münster und der Mennonitengemeinde Bern

Anlässlich der Zusammenkunft im Berner Rathaus an der Nacht der Religionen hat sich Regierungsrat Christoph Neuhaus im Namen des Staates bei den Mennoniten für das Leid entschuldigt, das die Berner Obrigkeit den Täuferinnen und Täufern über die Jahrhunderte verursacht hat. Die Mennonitengemeinde Bern und die Kirchgemeinde Münster sind gemeinsam am Erarbeiten eines Stationenweges zur Geschichte der Täufer.

Gemeinsam haben die zwei Gemeinden auch den Anlass in der Nacht der Religionen am 11. November 2017 im Rathaus und der Nydegg-Kirche unter dem Thema Zeit der Verfolgung – Zeit der Versöhnung – Zeit für Frieden durchgeführt. Im Rathaus sprach zuerst Regierungsrat und Kirchendirektor Christoph Neuhaus zum Thema Staat und Religion – Segen oder Fluch? Anschliessend erfolgte eine eindrückliche Lesung mit Katharina Zimmermann aus ihrem Täuferroman Die Furgge. In der Nydegg-Kirche waren alle eingeladen, in den vierstimmigen Gesang der Täuferlieder einzustimmen. 

Obrigkeit sieht Täufer als Feinde der staatlichen Ordnung

«Wir sieben Regierungsrätinnen und -räte geben tagtäglich unser Bestes für die Bevölkerung unseres Kantons, und doch treffen auch wir manchmal Entscheidungen, die sich im Rückblick als Fehler erweisen», erläuterte Regierungsrat Christoph Neuhaus und führte an vielen Beispielen von der Bibel bis heute aus, wie der Mensch seine Unschuld verliert, sobald er sich irgendwo engagiert und Verantwortung übernimmt. «Je länger der Fluss der Menschheitsgeschichte fliesst, umso mehr mischt sich ins reine Wasser der Quelle auch Sand und Steine und Geröll mit ein.» Für die Täufer sei die Kirche keine von der Berner Obrigkeit geleitete Institution gewesen, sondern die Gemeinschaft der Gläubigen, in der die persönliche Entscheidung zählte. Das habe sie in einen tiefen Gegensatz zum Staat gebracht, denn der wollte eine Kirche, die alle umfasste und für alle als verbindlich galt, was die Regierung festlegte. «So begann der Staat, die Täufer als Feinde der staatlichen Ordnung zu betrachten und zu bekämpfen – eine tiefe Tragik zieht sich durch das Geschehen», so Christoph Neuhaus.

«Wir sehen, was gewesen ist»

«Wie könnten Sie und ich leben, wenn es die Bitte um Vergebung nicht gäbe?» fragte Christoph Neuhaus. Wie es uns das Unser Vater lehrt «bitte ich Sie – als Berner Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor, aber auch als Mensch – in aller Schlichtheit heute Abend um Verzeihung für all das, was den Täuferinnen und Täufern in unserem Kanton zu Leide getan wurde. Kein Mensch kann rückgängig machen, was einmal getan wurde. Aber wir können sehen, was gewesen ist. Es aufnehmen anstatt zu verdrängen. Es als unsere gemeinsame Geschichte anerkennen, anstatt von uns abzuspalten.»

Solch klare Worte der Anerkennung des geschehenen Unrechts habe es auf politischer Ebene des Kantons Bern noch nie gegeben, so das Fazit von Dorothea Loosli von der Mennonitengemeinde Bern. Es sei emotionaler Moment gewesen, der tief berühre. Die Anwesenden hätten diese unerwarteten Worte dankbar entgegen genommen.

Hoch erfreut und dankbar möchte nun die Konferenz der Mennoniten der Schweiz, voraussichtlich bei der Eröffnung des Stationenweges im Frühjahr 2018, diese Bitte um Vergebung offiziell würdigen. Der Stationenweg soll an das Geschehene erinnern und konkrete Stationen der Täuferverfolgung sichtbar machen. Gleichzeitig soll er als Mahnmal und Anstoss dienen, dass Glaube frei und unantastbar respektiert werden muss.

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