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Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in den Arbeitsmarkt Erstmals finanzieren Private soziale Leistungen vor

16. Juni 2015 – Medienmitteilung; Gesundheits- und Fürsorgedirektion

Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene rasch und nachhaltig in den Arbeitsmarkt eingliedern: Dieses Ziel verfolgen die Unternehmerinitiative «Fokus Bern», die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern und das Hilfswerk Caritas Bern gemeinsam. Mit dem Pilotprojekt «Social Impact Bond» gehen sie dabei einen neuen Finanzierungsweg: Private finanzieren das Projekt vor, die öffentliche Hand legt die Ziele fest und lässt die Wirkung messen und ein Hilfswerk setzt das Projekt um. Bei Erfolg sollen alle Beteiligten finanziell profitieren können.

Erstmals in der Schweiz finanzieren Private eine soziale Dienstleistung der öffentlichen Hand vor. Das Pilotprojekt «Social Impact Bond» hat zum Ziel, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene möglichst rasch und nachhaltig in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Die Wirkung des Projekts wird auf der Basis vorgängig definierter Ziele gemessen und enthält erfolgsabhängige Komponenten für die Investoren und Caritas Bern. Er sei dankbar für die Initiative und die Bereitschaft der Unternehmerinitiative «Fokus Bern», gemeinsam mit dem Kanton ein innovatives Vorhaben zu starten, sagte Regierungsrat Philippe Perrenoud bei der Präsentation des Pilotprojekts. «Für den Erfolg der beruflichen Integration ist die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft unerlässlich», hielt der kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektor fest. Nur wenn Unternehmen bereit seien, Arbeitsplätze für Menschen mit einer schwierigen Ausgangslage bereitzustellen, gelinge die Eingliederung. Da dieses Pilotprojekt Menschen eine bessere Chance zur beruflichen und finanziellen Selbstständigkeit gebe, sei es auch eine Unterstützung für sein zentrales Anliegen: die Bekämpfung der Armut.

Investition in die Zukunft von Gesellschaft und Kanton

Peter Stämpfli, Unternehmer und Präsident von «Fokus Bern» begrüsst die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Verwaltung ebenfalls: «Es ist ein positives Signal und ein mutiger Schritt, dass die Berner Behörden Hand bieten, um neue Wege in der Finanzierung von Sozialprojekten zu gehen und schweizweit als erste ein Social-Impact-Bond-Projekt umzusetzen.» Die Unternehmer seien überzeugt, dass Erfolgskomponenten nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im sozialen Bereich dazu beitragen könnten, eine rasche und qualitativ gute Eingliederung zu fördern und damit positive Effekte für die Gesellschaft und die kantonalen Finanzen zu erzielen. Bei der Vorschussfinanzierung für das Pilotprojekt von 2,7 Millionen Franken gehe es den Investoren nicht in erster Linie um Rendite, dazu seien die Zinssätze auch bei Erfolg zu tief. «Es geht um eine nachhaltige Investition von uns allen in die Zukunft unserer Gesellschaft und unseres Kantons», sagte Peter Stämpfli.

Ehrgeiziges Ziel für anspruchsvolle Aufgabe

Das Pilotprojekt verfolgt nach Aussage von Claudia Babst ehrgeizige Ziele. Die Geschäftsleiterin von Caritas Bern dazu: «Die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen ist anspruchsvoll.» Mit einem speziellen Bewerbungs- und Auswahlverfahren, der schnellen Integration in den Arbeitsmarkt, einer längeren und kontinuierlichen Begleitung der Arbeitnehmenden sowie mit Unterstützungsprogrammen für die Unternehmen will Caritas Bern das Pilotprojekt umsetzen. Obwohl das Hilfswerk mit der Eingliederung von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in den Arbeitsmarkt langjährige Erfahrung hat, betritt die Organisation laut Claudia Babst Neuland: «Eine Bonus-Malus-Vereinbarung einzugehen, ist für uns als Caritas Bern ein Novum, aber gleichzeitig konsequent. Denn wir zeigen damit, dass es uns mit dem Projekt und dessen ehrgeizigen Zielen ernst ist.»

Erreicht Caritas Bern die vorgegebenen Ziele zu 95 bis 105 Prozent, bezahlt der Kanton die erbrachten Leistungen. Ist dieses Ziel übertroffen, entrichtet der Kanton nach Abschluss des Pilotprojekts einen Bonus, der davon abhängt, wie hoch die Ziele übertroffen wurden. «Darin spiegelt sich die Überlegung, dass bei einem Übertreffen der Ziele die Sozialleistungen entsprechend tiefer ausfallen und deshalb sowohl die Caritas Bern als auch die Investoren an diesen Einsparungen des Staates beteiligt werden sollen», sagte Marc Baumann von Invethos Bern, der für «Focus Bern» das Projekt als Fachexperte begleitet. Die maximale Verzinsung beträgt im Erfolgsszenario 1 Prozent pro Jahr und wird dann erreicht, wenn die Ziele um 40 Prozent oder mehr übertroffen werden. Bei der Nichterreichung der Ziele entfällt eine Verzinsung und sowohl die Caritas Bern als auch die Investoren müssen einen Malus bzw. einen Kapitalverlust in Kauf nehmen. Die Höhe von Malus und Kapitalverlust hängen davon ab, wie hoch die Ziele verfehlt werden und betragen maximal 1,5 bzw. 4,9 Prozent. Obwohl die Projektkosten für den Kanton bei einem hohen Zielerreichungsgrad höher ausfallen, dürfte die Kantonsrechnung insgesamt dennoch entlastet werden. Zudem erhofft sich der Kanton durch die neue Finanzierungsart auch allgemein neue Erkenntnisse, um die Leistungsvereinbarungen zu optimieren. Aus diesem Grund lässt er das Politprojekt von externen Experten begleiten und auswerten.

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