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Sonderschulen Klassen eröffnet und spezialisierte Angebote geschaffen

14. September 2017 – Medienmitteilung; Gesundheits- und Fürsorgedirektion

Die Nachfrage nach Sonderschulplätzen nimmt weiterhin zu. Manche Familien haben grosse Schwierigkeiten, einen geeigneten Platz für ihr Kind zu finden. Mit Beginn des neuen Schuljahrs hat die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) in allen Regionen des Kantons Bern neue Klassen eröffnet und spezialisierte Angebote geschaffen. Dies ermöglicht es, in angemessener Distanz zum Wohnort eine geeignete Lösung zu finden.

Gemäss der Bildungsstatistik der Erziehungsdirektion des Kantons Bern besuchten im Jahr 2009 rund 1980 Schülerinnen und Schüler den Unterricht in einer Sonderschule, was einem Anteil von knapp 1,9 Prozent entspricht. Lediglich 103 Schülerinnen und Schüler (0,1 Prozent) mit Sonderschulstatus wurden integrativ unterrichtet und konnten die Regelschule besuchen. 2016 war der Anteil an Sonderschülerinnen und Sonderschülern auf 2,5 Prozent gestiegen, jedoch konnte jedes Fünfte dieser Kinder integrativ am Regelschulunterricht teilnehmen.

Agglomeration Biel und Berner Jura besonders betroffen

Aufgrund dieser Entwicklung zeigte sich in verschiedenen Regionen des Kantons ein Mangel an verfügbaren Schul- und Internatsplätzen. Am gravierendsten ist die Situation in der Agglomeration Biel sowie im Berner Jura. Für einzelne Kinder und Jugendliche konnten die Eltern trotz intensiver Suche keinen geeigneten Sonderschulplatz finden. Auf diese Situation hat die GEF reagiert: Für Kinder und Jugendliche mit komplexen Problemen, deren Bildung und Betreuung einen ausserordentlichen Aufwand erfordert, wird mittels Case Management und punktueller fachlicher Beratung nach Lösungen gesucht. Wo angezeigt, hat die GEF bei Bedarf im Einzelfall den aufnehmenden Institutionen zusätzliche finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt, damit die betroffenen Kinder geeignet unterrichtet werden können.

Zusätzliche Klassen eröffnet

Mit Beginn des Schuljahres 2016/17 wurden in der Umgebung Bern, in Tavannes und in Lyss je zwei und in Gstaad eine Sonderklasse zusätzlich eröffnet. In der Nathalie Stiftung in Gümligen wurde eine Intensivklasse und im Zentrum für Heil- und Sozialpädagogik in Köniz eine Basisstufe eröffnet. Durch Erhöhung des Personaletats konnten an den Sonderschulen in Langenthal, in Burgdorf und in Interlaken zusätzliche Kinder aufgenommen werden. Eine zusätzliche Sprachheilbasisstufe wurde auf Beginn dieses Schuljahres vom Zentrum für Hören und Sprechen in Münchenbuchsee sowie zwei französischsprachige Klassen in Biel von der Salome Brunner Stiftung eröffnet. Im Raum Emmental werden auf Beginn des nächsten Schuljahres zwei weitere Sprachheilbasisklassen eröffnet. Für zehn Schülerinnen und Schüler mit Aspergersyndrom werden an der Blindenschule Zollikofen neue schulische Angebote geschaffen. Weiter wird in Zusammenarbeit mit der Wohnschule Dentenberg in Worb auf Anfang 2018 eine Schuloase eröffnet. Damit konnte das Angebot in Sonderschulen für Kinder und Jugendliche mit komplexen Schwierigkeiten um 45 Plätze erhöht werden. Durch zusätzliche Klassen wurden weitere 48 Plätze eröffnet. Insgesamt wurden also 93 neue Plätze in Sonderschulen geschaffen. Derzeit warten noch eine Handvoll Sonderschülerinnen und Sonderschüler auf einen Schulplatz. Die intensive Suche nach geeigneten Lösungen läuft weiter.

Weitere Bestrebungen und Systemwechsel im Gang

Zurzeit müssen Eltern von Sonderschülerinnen und Sonderschülern selber um einen Schulplatz für ihren Sohn oder ihre Tochter besorgt sein. Es besteht zwar für alle Kinder und Jugendliche eine Schulpflicht, anders als die Regelschule haben die Sonderschulen jedoch keine Aufnahmepflicht. In der Mehrzahl der Fälle finden die Eltern unterstützt durch Fachinstanzen einen geeigneten Schulplatz in einer Sonderschule. Die GEF und die Erziehungsdirektion sind sich der Ungleichbehandlung von Schülerinnen und Schülern in Regelschulen respektive in Sonderschulen bewusst. Im Bericht Sonderpädagogik, der dem Grossen Rat im Frühling 2018 vorgelegt werden soll, wird denn auch vorgeschlagen, dass die Zuweisung zur Sonderschule in einem einvernehmlichen Verfahren zu erfolgen hat und für die Sonderschulen eine Aufnahmepflicht bestehen soll.

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