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Amt für Kultur des Kantons Bern / Musikkommission Musikpreise 2017: Von der virtuosen Geigerin bis zum wortgewaltigen Rapper

24. Oktober 2017 – Medienmitteilung; Erziehungsdirektion

Die mit je 15ʹ000 Franken dotierten Musikpreise 2017 des Kantons Bern gehen an den Rapper Baze (Basil Anliker), den DJ und Produzenten Deetron (Sam Geiser), die Violinistin Meret Lüthi sowie den Klarinettisten Ernesto Molinari. Mit dem Nachwuchsförderpreis «Coup de cœur 2017» in der Höhe von 3'000 Franken wird Rea Dubach, Jazz-Sängerin, Komponistin und Performerin, geehrt. Die Gewinnerinnen und Gewinner repräsentieren einen Querschnitt herausragenden Musikschaffens im Kanton Bern, das von Rap und Techno-Remix bis zum innovativen Interpretieren reicht.

Es ist die Geschichte von vergangenen Partys und «Bruchstücken»: Der Rapper Baze ist ein Urgestein des Berner-Raps. Er gehört zu den profiliertesten und einflussreichsten Mundartakrobaten mit nationaler Ausstrahlung. Einzigartig ist sein Fingerspitzengefühl für das Zusammenspiel von Rhythmus, Sprache und Melodie. Er hat seit den späten 90er-Jahren diverse Solo-Alben veröffentlicht. Hinzu kommen zahlreiche Releases mit der Hip-Hop-Allianz «Chlyklass», der Coverband «Tequila Boys», der Elektro-Rap-Formation «Boys on Pills» sowie dem Rap-Projekt «Temple of Speed». Das neuste Studio-Album «Bruchstück» unterstreicht erneut den Facettenreichtum und die Versiertheit seines Urhebers. Musikalisch begleitet wird er dabei von «FM Trio». Baze setzt sich über die Genregrenzen hinweg, ohne das Erwachsenwerden des Raps zu bemühen. Das Album ist Ausdruck seiner künstlerischen Potenz und repräsentiert eine weitere Entwicklungsstufe in seinem Schaffen.

Deetron: Bärner Platte international

Ein Berner macht sich an die Überarbeitung der Popkultur: Der DJ und Produzent Deetron ist einer der wenigen seiner heimischen Zunft mit Weltruhm. Sam Geiser aka Deetron ist international gefragt, sowohl an den Turntables wie auch im Studio – ein Schwergewicht in seiner Domäne des qualitativ hochstehenden House- und Techno-Sounds. Aktuell umfasst Deetrons Werkverzeichnis 60 Maxis, zwei Alben und zahllose Remixe. Er produziert für namhafte Labels wie «Music Man» und verfeinert Tracks für Szenegrössen wie «Hercules and Love Affair», «Motor City Drum Ensemble», «DJ Hell» oder «Cassius». Er gehört zu den technisch Versiertesten im Olymp der globalen Techno- und House-Szene. Nicht nur wegen der Technik wird er bewundert, sondern auch, weil Deetron ein sicheres Gespür für den richtigen Moment der Musik hat. Einer seiner zahlreichen Kunstgriffe stellt der Beitrag an die Mixreihe «Balance» von 2011 dar, für jene er die Experimentalmusiker Alva Noto und Ryiuichi Sakamoto mit Radiohead-Sänger Thom Yorke musikalisch fusionierte.

Meret Lüthi: Die barocke Leidenschaft der Seele

Meret Lüthi studierte an der Hochschule der Künste Bern und schloss das Lehr- und Konzertdiplom mit Auszeichnung ab. Ihr breit angelegtes Portfolio mit Fokus auf die Barockvioline umfasst diverse Studien und Meisterkurse u.a. bei Christian Altenburger, Ingolf Turban, Gerhard Schulz sowie Anton Steck. Die gebürtige Bernerin war Stipendiatin der Kiefer Hablitzel Stiftung und des Kiwanis Clubs Bern. Zudem ging sie 2007 als Preisträgerin aus dem Deutschen Hochschulwettbewerb für Alte Musik hervor. Unlängst eroberte die Geigerin mit ihren lebendigen Interpretationen die internationale Barockmusikwelt. Als Konzertmeisterin leitet sie das von ihr mitgegründete Orchester für Alte Musik «Les Passions de l'Âme». Das international zusammengesetzte Ensemble besticht insbesondere durch seinen unverwechselbaren Klang. Parallel zur künstlerischen Leitung wirkte sie bei zahlreichen Aufnahmen, Produktionen und Tourneen mit, u.a. mit René Jacobs, Ivor Bolton, Adam Fischer und Gary Cooper. Auch abseits der Bühne verfügt die Geigerin Lüthi über einen breiten Leistungsausweis als musikalischer Coach oder als mediale Fachexpertin.

Ernesto Molinari: Die Klarinette diversifizieren

Der charismatische Ernesto Molinari absolvierte seine Studien der Klarinette und Bassklarinette in Basel und Amsterdam. Er gehört heute zu den international führenden Klarinettisten mit einem aussergewöhnlichen Künstlerprofil. Ernesto Molinari war Solo-Klarinettist des Klangforums Wien und ist aktuell Solist des profiliertesten Ensembles der Schweiz für Neue Musik: des «Collegium Novum Zürich». Die rege Konzerttätigkeit als Solist und Kammermusiker führte ihn an die grossen Festivals Europas. Neben seiner technischen Versiertheit auf allen Instrumenten der Klarinettenfamilie, besticht Ernesto Molinari durch seine breite stilistische Palette und Transzendenz. Parallel zur Interpretation klassischer, romantischer und zeitgenössischer Werke taucht er ebenso virtuos ein in die Bereiche Jazz und Improvisation. Explizit zu erwähnen sind auch die zahllosen Uraufführungen komplexer zeitgenössischer Werke, die für ihn komponiert wurden. Den Klarinettisten zeichnet sein unbändiges Streben nach Perfektion in Kombination mit einer spielerischen Leichtigkeit aus.

Rea Dubach: «Coup de cœur 2017»

Die Bieler Newcomerin Rea Dubach schloss an der Hochschule der Künste Bern ihren Master in Komposition ab. Als Bandleaderin des von ihr gegründeten Trios «Sid» gewann sie den Internationalen Biberacher Jazzpreis. Gemeinsam mit dem Quintett «Tellurian» erhielt sie den Transnational Förderpreis von BeJazz. Das künstlerische Schaffen Dubachs – das eine ganz persönliche Handschrift des Sounddesigns in sich trägt – koppelt eine wache Neugier mit unbändiger Experimentierlust. Sie verbindet die Improvisation mit der Präzision des Studios. Zentral in ihrem Werk ist der interdisziplinäre Fokus. Er wiederspiegelt sich in ihrer Schaffenskraft als Sängerin, Instrumentalistin, Komponistin, Produzentin und Performerin. Rea Dubach wirkt mit in verschiedenen Musikprojekten und performt beispielsweise mit dem Ausnahmeschlagzeuger Julian Sartorius. Konzerte führten die Sängerin mit ihrem grossen Repertoire und den hochkarätig besetzten Formationen bisweilen quer durch Europa.

Die öffentliche Preisverleihung findet am Dienstag, 14. November 2017, um 19.30 Uhr in der Grossen Halle der Reitschule Bern statt.

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