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Lektionentafel zum Lehrplan 21 Zusätzliche Lektionen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Informatik

3. März 2015 – Medienmitteilung; Erziehungsdirektion

Die Erziehungsdirektion hat den Entwurf für die Lektionentafel des Kantons Bern zum Lehrplan 21 vorgestellt. Vorgesehen sind zusätzliche Deutsch- und Mathematiklektionen. Damit zielt die Lektionentafel für diese beiden Fächer auf den schweizerischen Durchschnitt. Neu geschaffen werden auch Lektionen im Bereich Medien und Informatik. Die Kosten für die Anpassungen werden sich für den Kanton Bern ab der vollständigen Einführung des Lehrplans 21 auf jährlich rund 22,4 Millionen Franken belaufen. Der Grosse Rat wird in der kommenden Novembersession im Rahmen des Budgets 2016 und des Aufgaben- und Finanzplans 2017 bis 2019 über die Mehrausgaben befinden.

Bei der Umsetzung des Lehrplans 21 spielt die Lektionentafel eine zentrale Rolle. Sie legt fest, wie viel Unterrichtszeit in den einzelnen Schuljahren und Fachbereichen zur Verfügung steht und ist damit eine wichtige Grundlage für die Planung des Schuljahresverlaufs und die Ausarbeitung der Stundenpläne. In den letzten Monaten hat die Erziehungsdirektion den Entwurf einer Lektionentafel für den Lehrplan erarbeitet. Sie orientiert sich eng an den interkantonalen Planungsvorgaben zum Lehrplan 21. Gleichzeitig führt sie aber möglichst viele bewährte Elemente der heutigen Berner Lektionentafel weiter und gewährt den Schulen und Lehrpersonen Freiräume bei der Umsetzung. Lehrpersonen aller Stufen, Schulleitungen sowie Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker waren eng in den Erarbeitungsprozess eingebunden.

Zusätzliche Lektionen in den Fächern Mathematik und Deutsch

Schon seit der Abstimmung über den Beitritt zum HarmoS-Konkordat 2009 ist klar, dass der Kanton Bern für die Umsetzung des Lehrplans mehr Lektionen braucht. Denn sowohl auf der Primar- als auch auf der Sekundarstufe I liegt die Anzahl der Gesamtlektionen im Kanton Bern deutlich unter dem interkantonalen Durchschnitt. Die Abweichungen betreffen auf beiden Stufen vor allem die Fächer Deutsch und Mathematik. Die Berner Schulen können die Kompetenzanforderungen des Lehrplans 21 jedoch nicht mit weniger Lektionen erreichen als die anderen Kantone. Deshalb sind in der Lektionentafel für den Lehrplan 21 zusätzliche Deutsch- und Mathematiklektionen vorgesehen. Auf der Primarstufe stehen den Schülerinnen und Schülern zusätzlich je zwei Wochenlektionen Deutsch und drei Wochenlektionen Mathematik zur Verfügung. Auf der Sekundarstufe I wird die Lektionenzahl in Deutsch um drei Lektionen und in Mathematik um vier Lektionen erhöht.

Neue Lektionen für Medien und Informatik

Neben den zusätzlichen Deutsch- und Mathematiklektionen gibt es in der Lektionentafel neu ein Zeitgefäss für den Bereich Medien und Informatik im Umfang von insgesamt vier Lektionen, je zwei auf der Primar- und zwei auf der Sekundarstufe. Mit den Mehrlektionen in Mathematik, Medien und Informatik sowie Natur und Technik wird der MINT-Bereich deutlich gestärkt. Die «berufliche Orientierung» in der Sekundarstufe I wird weiterhin gemäss den Berufswahlkonzepten der Schule mit mindestens 39 Lektionen im 3. Zyklus unterrichtet.

Der Fachbereich Natur-Mensch-Mitwelt (NMM) heisst neu Natur-Mensch-Gesellschaft (NMG). Ab dem 7. Schuljahr kann je eine Lektion aus dem Bereich NMG, «Ethik, Religionen, Gemeinschaft», als Klassenlektion eingesetzt werden.

Das neue Unterrichtsgefäss: Individuelle Vertiefung und Erweiterung

Die bewährte und von praktisch allen Schülerinnen und Schülern besuchte individuelle Lernförderung und die Mittelschulvorbereitung gehören heute zum freiwilligen Unterricht. Diese beiden Bereiche werden neu im obligatorischen Teil der Lektionentafel verankert, als «Individuelle Vertiefung und Erweiterung» (IVE) in den Fächern Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen. Dafür stehen im 8. Schuljahr drei Lektionen und im 9. Schuljahr vier Lektionen zur Verfügung. Zwei dieser insgesamt sieben Lektionen werden zusätzlich geschaffen. Die anderen fünf Lektionen werden aus den Fachbereichen Deutsch, Mathematik und Englisch in den Bereich IVE verschoben.

Dieses pädagogische Instrument erlaubt es, individuell auf die Bedürfnisse, Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler einzugehen und die Vorbereitung auf die weiteren Ausbildungen zu vertiefen.

Kosten bewegen sich im erwarteten Bereich

Die Kosten für die Anpassung der Lektionentafel bewegen sich in dem Rahmen, der bereits 2009 in der Abstimmungsbotschaft zur Volksabstimmung über den Beitritt zum HarmoS-Konkordat genannt wurde. Die Mehrkosten für die zusätzlichen Lektionen werden teilweise mit den wegfallenden fakultativen Lektionen der individuellen Lernförderung und der Mittelschulvorbereitung kompensiert. Bereits im Rahmen des Entlastungspakets 2012 wurden in jenen Fächern Lektionen abgebaut, in denen der Kanton Bern über dem schweizerischen Durchschnitt lag. Zudem wird im 7. Schuljahr das heutige Fach Gestalten um eine Lektion reduziert. Diese Lektion wird heute schon in sehr vielen Schulen für Informatik eingesetzt. Die Nettokosten für den Kanton Bern belaufen sich auf 22,4 Millionen Franken.

Konsultation bei den Verbänden

Die Lektionentafel geht nun bis am 30. März 2015 bei schulnahen Organisationen und Verbänden in die Konsultation. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver wird sie an verschiedenen Veranstaltungen vorstellen und mit Schulleitungen, Lehrkräften sowie Behördemitgliedern diskutieren. Die Rückmeldungen werden in die weiteren Arbeiten einbezogen. Über die nötigen finanziellen Mittel für die Mehrlektionen entscheidet der Grosse Rat im Rahmen der Budgetdebatte in der Novembersession 2015. In Kraft treten wird die neue Lektionentafel für den Kindergarten und das 1.-7. Schuljahr auf den 1. August 2018. Für das 8. Schuljahr folgt die Inkraftsetzung ein Jahr später, für das 9.Schuljahr zwei Jahre später.

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