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Archäologischer Dienst des Kantons Bern: Lobsigensee: Rettungsgrabung in der neolithischen Ufersiedlung

14. November 2007 – Medienmitteilung; Erziehungsdirektion

aid. Der Archäologische Dienst des Kantons Bern führt am Lobsigensee bei Seedorf Rettungsgrabungen in der neolithischen Ufersiedlung durch. Mit den Grabungen wollen die Fachleute den Zustand und die Ausdehnung der archäologisch interessanten Fundschichten abklären. Wichtige Teile der Fundstelle befinden sich oberhalb des Grundwasserspiegels. Deshalb trocknen sie aus und werden nach und nach zerstört.

Die neolithische Fundstelle am Lobsigensee ist seit einer Sondierungsgrabung des Bernischen Historischen Museums von 1908 bekannt. Sie ist Teil des Inventars zu den Pfahlbauten der Schweiz, das als Grundlage für das Nominierungsdossiers„Pfahlbauten als UNESCO Welterbe“ dient. Die Siedlungsreste stammen aus der Zeit von 3700 v.Chr. Wesentliche Teile der Fundstelle befinden sich seit längerem oberhalb des Grundwasserspiegels. Weil sie austrocknen, werden sie nach und nach zerstört. Deshalb startete der Archäologische Dienst des Kantons Bern nach einem Unterbruch von rund 50 Jahren im Sommer 2005 neue Grabungen. Ziel der Arbeiten war es, den aktuellen Erhaltungszustand und die Ausdehnung der archäologischen Fundschichten abzuklären. Mit den gewonnenen Daten kann die Ausdehnung der Fundschichten gut umrissen werden. Das Siedlungsareal ist rund 3'000 Quadratmeter gross. Insgesamt wurden 33 Lehmkonzentrationen erfasst. Diese werden als Reste von Hausböden und Lehmestrichen interpretiert. Die Bohrprofile belegen auch, dass die prähistorische Siedlung auf einer Insel im früher deutlich grösseren See errichtet worden war. Es ist auch denkbar, dass der See bereits damals am Verlanden war und man eine inselartige Erhebung im Moor als Platz gewählt hatte.

Mit der aktuellen Ausgrabung will der Archäologische Dienst vor allem die Kenntnisseüber den Zustand der Fundstelle erweitern und Pläne für ein gezieltes Monitoring entwickeln. Dabei sucht er die Zusammenarbeit mit Naturschutzstellen und bodenkundlichen Experten. Bereits jetzt steht fest, dass sich die künstliche Absenkung des Lobsigensees der 1940/1959er Jahre und die Drainagenäusserst negativ auf die Erhaltung eines Kulturgutes von höchster Bedeutung auswirken. Ein Vergleich mit den Befunden von 1953 zeigt einen dramatischen Verfall der organischen Substanz. Von den damals erwähnten Hausböden aus Rundhölzern sind nur noch vereinzelte Schatten aus zerfetzten Holzfasern anzutreffen. Zumindest die höher gelegenen Teile der Fundstelle sind wegen der Austrocknung massiv zerstört. In den tiefer liegenden Abschnitten, die noch im Bereich des Grundwassers sind, dürfte die Erhaltung hingegen noch perfekt sein. Der archäologische Dienst konzentriert sich nun darauf, möglichst viele der noch gut erhaltenen archäologischen Befunde zu konservieren. Die seit August laufende Ausgrabung am Lobsigensee wird noch bis Mitte Dezember dauern.


Tag der offenen Tür für die Bevölkerung:Freitag, 16. November 2007, 15 Uhr bis 20 Uhr
 

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