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02. Mai 2022
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Medienmitteilung der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion:Eine neue Steinwildkolonie auf dem Stockhorn

Vor einigen Tagen wurden am Stockhorn die ersten Steinböcke und -geissen ausgesetzt. Die Verantwortlichen beim Kanton erhoffen sich mehr Artenvielfalt in der Region und eine bessere genetische Basis des Steinwilds im Kanton Bern. Und die Initianten des Projekts vom Verein Freunde des Stockhorns freuen sich über die attraktiven neuen Bergbewohner.

Bevor der junge Bock und die beiden drei- und siebenjährigen Geissen am letzten Mittwoch in die Freiheit entlassen wurden, waren zahlreiche Abklärungen nötig. Eignet sich der Lebensraum im Gebiet Stockhorn für Steinwild? Wo sind die Winter- und Sommereinstände? Was sagen die Verantwortlichen der umliegenden Gemeinden, die Grund- und Waldeigentümerinnen und -eigentümer zu den neuen Bewohnern am Stockhorn? Die Experten der Wildhut kamen zum Schluss, dass sich das Gebiet für eine Steinwildkolonie von 100 bis 120 Tieren eignen würde. So machten sich Ende April, als die Genehmigung des Bundesamts für Umwelt (BAFU) vorlag, fünf Fangteams im Berner Oberland und im Wallis auf die «Jagd» nach Steinböcken und Steingeissen, die für die neue Kolonie am Stockhorn in Frage kommen.

30 Tiere in den ersten drei Jahren

Die erste Phase der Aussetzung dauert drei Jahre. In dieser Zeit sollen 30 Tiere aus den Kolonien Aletsch-Sonnenberge-Lötschental (VS), Brienzergrat und Schwarzmönch eingefangen und am Stockhorn ausgesetzt werden: die Geissen im Alter von drei bis sieben Jahren, die Böcke eher jünger. In einer zweiten Phase nach zehn Jahren sollen, wenn möglich, Steinböcke aus Frankreich oder Italien die genetische Basis der neuen Kolonie verbreitern. «Die Ansiedlung einer Steinwildkolonie im Gebiet Stockhorn erhöht die regionale Artenvielfalt und stärkt die genetische Basis des Steinwilds im Kanton Bern und in der Schweiz», so Regierungsrat Christoph Ammann, Umweltdirektor des Kantons Bern. Er ist froh, dass gegen die Wiederansiedlung keine Einsprachen eingegangen sind.

Die Steinbockkolonie passt zum naturnahen Tourismus auf dem Stockhorn

Lanciert hatten die Idee Vertreterinnen und Vertreter des Vereins Freunde des Stockhorns und der Stockhornbahn. Sie begleiten das Projekt zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der Wald- und Grundeigentümer, der Gemeinde Erlenbach, des lokalen Jagdvereins, des Amtes für Wald und Naturgefahren, des Jagdinspektorats und des Naturschutzes. Zudem beteiligen sich die Freunde des Stockhorns auch finanziell am Projekt.

Dass das Steinwild in einem touristisch genutzten Gebiet leben wird, spricht gemäss Jagdinspektor Niklaus Blatter nicht gegen die Kolonie. «Die Stockhornbahn hat sich schon lange dem sanften Tourismus verschrieben. Und der Verein Freunde des Stockhorns fördert die touristische Attraktivität des Stockhorns mit naturnahen Angeboten.» Neue Angebote werden vom Jagdinspektorat auf ihre Wildtierverträglichkeit geprüft. Im Sommer 2021 hat das Regierungsstatthalteramt im Stockhorngebiet ein Camping- und Biwakierverbot und ein Feuerverbot erlassen. Und auch im Winter sollten die Tiere ungestört sein: Die aktuellen Skitourenrouten liegen ausserhalb der Wintereinstände der Steinböcke. «Die junge Kolonie ist geschützt und bei der Lenkung der Besucherinnen und Besucher werden die Einstände der Tiere berücksichtigt», sagt Niklaus Blatter.

Fakten zum Steinbock

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Steinbock in den Alpen bis auf 100 Tiere im Gebiet Gran Paradiso (Italien) ausgerottet. Dank Wiederansiedlungsprogramme ist der Steinbock heute wieder in grossen Teilen der Alpen verbreitet. Im Kanton Bern wurden 1921 am Harder Steinböcke ausgesetzt. Seither ist die Population auf über 1200 Tiere angewachsen.

Gewicht: Böcke bis 100 Kilogramm, Geissen bis 45 Kilogramm

Paarungszeit: Dezember, Januar

Setzzeit: Juni

Anzahl Kitze: 1

Säugezeit: Vier bis sechs Monate

Hörner: Beide Geschlechter tragen Hörner, Böcke bis 110 Zentimeter, Geissen bis 35 Zentimeter

Nahrung: Gras, Kräuter, Flechten, Nadeln

Mediendokumentation

  • Eine junge Steingeiss am Stockhorn (Foto: Christian Siegenthaler)
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