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Bern geht neue Wege: Berner Wohlstandsindex BWX

8. März 2012 – Medienmitteilung; Regierungsrat

Der Berner Wohlstandsindex (BWX) als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung ergänzt das Bruttoinlandprodukt (BIP). Der BWX erlaubt Aussagen über den Wohlstand und ermöglicht Vergleiche mit anderen Kantonen in vier Dimensionen. Der Kanton Bern leistet damit Pionierarbeit: Er ist der erste Kanton, der einen konkreten Index in die auf nationaler und internationaler Ebene laufende Diskussion über die Messung des Wohlstands einbringt.

Wie der Regierungsrat in seiner Antwort auf die Motion Iannino Gerber (Grüne) «Grüne Wirtschaft: Grünes BIP gefordert» ausführt, ist das Bruttoinlandprodukt[1] (BIP) zwar ein wichtiger Indikator, vermag jedoch die wirtschaftliche Entwicklung nicht ganzheitlich abzubilden. Das BIP misst lediglich die Gesamtproduktion einer Volkswirtschaft; Aussagen über den Wohlstand einer Gesellschaft macht es hingegen keine. Ein differenzierterer Indikator, der nicht allein die in Franken messbare Produktion erfasst, fehlt bis heute. Deshalb wurden parallel zur Erarbeitung der Wirtschaftsstrategie 2025 die Diskussionen um eine Ablösung oder Ergänzung des BIP analysiert und gestützt auf die verschiedenen Ansätze der Berner Wohlstandsindex (BWX) erarbeitet. Bern ist damit der erste Kanton der Schweiz, der einen konkreten Index präsentiert, der über das klassische BIP hinausgeht.

Der Berner Wohlstandsindex BWX beruht auf Indikatoren, die folgende Kriterien erfüllen:

  • Die Indikatoren lassen Aussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung zu.
  • Es sind Aussagen auf kantonaler Ebene möglich.
  • Die Indikatoren beruhen auf regelmässig erhobenen und veröffentlichten Zahlen.

Die Indikatoren beleuchten die Entwicklung in vier Dimensionen. Erfasst werden die Attraktivität, die wirtschaftliche Stärke, die Ressourcen (bzw. deren Verbrauch) sowie die Stabilität.

Die Daten werden mit dem schweizerischen Durchschnitt und den Referenzkantonen Aargau, St. Gallen, Waadt und Zürich verglichen. Die Ergebnisse lassen sich folgendermassen zusammenfassen: Der Kanton Bern weist in allen vier Dimensionen sowohl über- als auch unterdurchschnittliche Werte aus.

Bei der Attraktivität schneidet der Kanton Bern einzig hinsichtlich der Steuern unterdurchschnittlich ab. Das frei verfügbare Einkommen ist grösser als im Schweizer Durchschnitt und auch grösser als in den Kantonen Zürich und Waadt. Die Erreichbarkeit ist einzig in Zürich besser. Insgesamt schneiden Aargau und Zürich am besten ab. Bern und St. Gallen sind vergleichbar, die Waadt weist bei allen drei Indikatoren dieser Dimension unterdurchschnittliche Ergebnisse aus.

Bei der wirtschaftlichen Stärke liegen das BIP pro Kopf und das Ressourcenpotential unterhalb des Durchschnitts. Dafür ist die Qualifikation der Wohnbevölkerung überdurchschnittlich hoch. In dieser Dimension am stärksten ist der Kanton Zürich. Die Kantone Bern, Aargau und Waadt sind ungefähr gleich stark.

Bei den Ressourcen steht der Kanton Bern gut da. Die öffentliche Verschuldung liegt unter dem Mittel, und mit der Abfallmenge schneidet Bern besser ab als sämtliche Referenzkantone. Der überdurchschnittliche Bodenverbrauch ergibt sich aufgrund der grossen Kantonsfläche. Insgesamt weisen Zürich, Aargau und St. Gallen ähnlich gute Resultate aus.

Bei der Stabilität liegt der Kanton Bern hinsichtlich Sozialhilfequote und Demographie unter dem Durchschnitt. Dafür ist die Arbeitslosenquote tief. Insgesamt schneidet der Aargau am besten ab, gefolgt von St. Gallen. Bern ist mit Zürich vergleichbar, jedoch deutlich besser als die Waadt.

Weitere Einzelheiten finden sich im Internet unter www.be.ch/bwx.

[1] Das BIP ist die Summe aller Güter und Dienstleistungen, die innerhalb einer definierten Region produziert bzw. erbracht wurden.

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