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Begegnungstag Gymnasium – Hochschulen: Übergang gemeinsam optimieren

27. März 2015 – Medienmitteilung; Bildungs- und Kulturdirektion

Den Dialog zwischen Gymnasien und Hochschulen führen und vertiefen: Dies war das Ziel des ersten Begegnungstags Gymnasium – Hochschulen im Hochschulzentrum vonRoll in Bern (Freitag, 27. März 2015). Auf Einladung der Erziehungsdirektion haben die rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die angestrebten Bildungsziele reflektiert und die Herausforderung am Übergang vom Gymnasium zur Hochschule diskutiert.

Seit 20 Jahren ist das Maturitätsanerkennungsreglement in Kraft und prägt die gymnasiale Bildung. Anlässlich dieses Jubiläums lud die Erziehungsdirektion Dozierende der Hochschulen, Lehrpersonen der Gymnasien, Studierende sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten erstmals zu einem Begegnungstag ein. Ziel des Begegnungstags war es, den Dialog zwischen den Gymnasien und den Hochschulen zu fördern, Ansprüche zu klären und Verständnis zwischen den Bildungspartnern zu schaffen. Damit soll ein Beitrag zur Optimierung des Übergangs geleistet werden.

Einbezug aller Partner am Übergang

In seinem Referat verdeutlichte Erziehungsdirektor Bernhard Pulver, wie der Pädagogische Dialog am Übergang Gymnasium – Hochschule konkret ausgestaltet werden kann. Dabei müssten alle Akteure einbezogen werden. Dazu gehörten neben der Universität auch die Pädagogische Hochschule und die Fachhochschule. «Es geht in erster Linie darum, gute Ansätze weiter zu entwickeln, um die Qualität am Übergang zwischen Gymnasium und Hochschule zu sichern.» Als bewährte Instrumente nannte Pulver insbesondere die Kantonale Maturitätskommission, die über die Abschlussprüfungen am Gymnasium und deren Vergleichbarkeit wacht, sowie die Stärkung der Lehre an der Universität und die Unterrichtsentwicklung an den Gymnasien. Ein wichtiger Faktor für die Stärkung von Lehre und Unterricht sei das Einholen von Feedback auf beiden Bildungsstufen, also bei Schülerinnen und Schülern und bei Studierenden.

Fachliche und überfachliche Gymnasiale Bildung ist individuell und vielfältig

Im vierjährigen gymnasialen Bildungsgang, der im deutschsprachigen Kantonsteil auf 2017 eingeführt wird, sieht Erziehungsdirektor Bernhard Pulver eine weitere zentrale Rahmenbedingung für die hohe Qualität der Gymnasialbildung. Dies gebe dem Gymnasium die notwendige Zeit, sowohl die fachlichen wie die überfachlichen Ziele zu erreichen und das für die Hochschulstudien besonders wichtige selbstständige Arbeiten zu fördern.

Eine Herausforderung ist die Vielfalt der auf die Hochschule vorbereitenden Bildungsprofile. Die Durchlässigkeit zwischen den Bildungswegen sei aber auch eine grosse Chance für das schweizerische Bildungssystem, betonte Bernhard Pulver. «Um den allgemeinen Hochschulzugang zu sichern, muss jedoch eine offene Auseinandersetzung darüber stattfinden, welche Kenntnisse und Kompetenzen den Kern der gymnasialen Bildung ausmachen.»

Empirische Untersuchung bei Erstsemestrigen

Wie erleben die Studierenden den Einstieg ins Studium? Wie fühlen sie sich vorbereitet? Welche Unterstützung erfahren sie im Studium? Erste Resultate einer empirischen Untersuchung, die Professor Stefan Wolter im Auftrag der Universität Bern durchgeführt hat, wurden am Begegnungstag vorgestellt. In der Untersuchung wurden Studierende im ersten Semester befragt. Wolter bestimmte auf Grund der Resultate drei wesentliche Faktoren für eine positive Erwartungshaltung der Studierenden: die Vorbereitung durch das Gymnasium, die soziale und akademische Integration im Studium sowie die Persönlichkeit der Studierenden. Die Resultate zeigen bezüglich der Vorbereitung der Gymnasien auf die Hochschulstudien ein grundsätzlich positives Bild. Die Resultate geben aber auch Hinweise, wo es auf beiden Stufen Verbesserungspotenzial gibt. Die Universität legt mit dieser ersten Untersuchung den Grundstein zu einer Längsschnittuntersuchung, die die Studierenden bis zu ihrem Eintritt in die Arbeitswelt begleiten wird.

Allgemeine Hochschulkompetenz trotz individueller Bildungsprofile

In ihrer Bilanz zu 20 Jahren Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) legte Elisabeth Schenk, Rektorin des Gymnasiums Kirchenfeld, einen besonderen Akzent auf verschiedene Spannungsfelder. Das MAR fasst die Bildungsziele des Gymnasiums breit: Schülerinnen und Schüler sollen einerseits fachliche und überfachliche Kompetenzen im Hinblick auf das Hochschulstudium erwerben, andererseits sollen sie auch auf anspruchsvolle Aufgaben in der Gesellschaft vorbereitet werden. Mit den zahlreichen Wahlmöglichkeiten entspricht das MAR-Gymnasium den individuellen Interessen der Schülerinnen und Schüler und muss gleichzeitig dem Anspruch genügen, die Schülerinnen und Schüler  zur allgemeinen Hochschulreife zu führen: Wie die Leistungsmessung der nationalen Evaluation EVAMAR II aus dem Jahr 2009 zeige, sei der fachliche Leistungsstand der Schülerinnen und Schülern in den verschiedenen gymnasialen Profilen unterschiedlich. Schenk folgerte daraus, dass das Gleichgewicht zwischen den individuellen Schwerpunktfachwahlen und den Anforderungen der Hochschulen im Auge behalten werden müsse.

Die Resultate der Diskussionen am Begegnungstag werden nun von der Kommission Gymnasium-Hochschulen aufbereitet und zu Empfehlungen verdichtet.

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