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Gezielte Massnahmen gegen den Mangel an Lehrpersonen

28. Februar 2019 – Medienmitteilung; Erziehungsdirektion

Um dem aktuellen Mangel an Lehrpersonen entgegenzuwirken, haben die Erziehungsdirektion und die Pädagogische Hochschule PHBern eine Reihe von gezielten Massnahmen erarbeitet, die ab dem Schuljahr 2019/20 umgesetzt werden. Vorgesehen sind unter anderem eine Ausweitung des Mentorats für Berufseinsteigende, ein höherer Beschäftigungsgrad sowie der Aufbau einer Gruppe von pensionierten Lehrpersonen, die kurzfristig Stellvertretungen übernehmen können. Die PHBern unterstützt die Schulen weiterhin in Form von Semestereinsätzen und startet ab kommendem Schuljahr das Pilotprojekt «Studienbegleitender Berufseinstieg».

Zwar konnten letzten Sommer nicht zuletzt dank der Anstrengungen der Schulleitungen, der Schulbehörden und der PHBern alle Lehrerinnen- und Lehrerstellen an den Volksschulen im Kanton Bern besetzt werden. Ohne Unterstützung von 30 Studierenden der PHBern hätten aber 20 offene Stellen nicht besetzt werden können. In den letzten Jahren hat sich der Mangel an Lehrpersonen jedoch verschärft. Gründe dafür sind unter anderem die Zunahme der Schülerinnen und Schüler, die steigende Zahl der Pensionierungen von Lehrpersonen sowie der Start des Lehrplans 21 mit der damit verbundenen Erhöhung der Lektionen.

Die Erziehungsdirektion analysiert den Arbeitsmarkt seit längerer Zeit. Schon ab 2009 hat die Erziehungsdirektion Massnahmen eingeleitet, um dem sich abzeichnenden Mangel an Lehrpersonen zu begegnen. Zentral waren dabei die Optimierung der Anstellungs- und Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte, beispielsweise höhere Löhne für die Kindergartenlehrkräfte, für Lehrkräfte im Spezialunterricht und für Schulleitungen, die Wiedereinführung des verlässlichen jährlichen Gehaltsaufstiegs im Jahr 2014 oder SOS-Lektionen zur Entlastung von Lehrpersonen in schwierigen Situationen.

Weiteres Massnahmenpaket bereits ab dem Schuljahr 2019/20

Um auch künftig sicherzustellen, dass alle Schülerinnen und Schüler einen qualitativ hochwertigen Unterricht besuchen können, hat die Erziehungsdirektion nun eine Reihe von zusätzlichen Massnahmen erarbeitet, um dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken. Zu diesem Zweck haben sich im vergangenen November die Erziehungsdirektion, die PHBern sowie alle Schulleitungen und Schulbehörden an regionalen Treffen ausgetauscht.

Für das Schuljahr 2019/20 hat die Erziehungsdirektion die folgenden Neuerungen vorgesehen:

  • Ab einem Pensum von 40 Prozent erhalten Berufseinsteigende, Wiedereinsteigende sowie Studierende der PHBern Unterstützung von einer Mentorin oder einem Mentor.
  • Der maximale Beschäftigungsgrad der Lehrkräfte von 105% darf überschritten werden. So werden bürokratische Hürden für Schulleitungen und Lehrpersonen abgebaut. Eine Überschreitung des Pensums muss aber für die Lehrpersonen freiwillig sein.
  • Die Erziehungsdirektion will weiterhin Sorge zu den bereits angestellten Lehrpersonen tragen und ihnen Wertschätzung entgegenbringen. Sie will das Image der Lehrpersonen stärken, die Ruhe im Bildungssystem bewahren und sich für faire Anstellungsbedingungen wie interkantonal konkurrenzfähige Löhne einsetzen. Dies mit dem Ziel, dass die Lehrpersonen motiviert und gesund bleiben und auch weiterhin im Kanton Bern unterrichten.
  • Es wird eine Reservegruppe von erfahrenen, motivierten Lehrkräften gebildet, die sich kurzfristig für Stellvertretungen zur Verfügung stellen.
  • Bei Bedarf kann eine zweite Klassenlehrerlektion eingesetzt werden.
  • Die Erziehungsdirektion übernimmt die Semestergebühren bei Nachqualifikationen von Lehrpersonen.

Pilotprojekt «Studienbegleitender Berufseinstieg» an der PHBern

Das Institut Vorschulstufe und Primarstufe (IVP) der PHBern lanciert auf August 2019 das Pilotprojekt «Studienbegleitendender Berufseinstieg» (SBBE). Damit will sie den Berufseinstieg neugestalten und gleichzeitig dafür sorgen, dass Studierende früher eine Anstellung an einer Schule annehmen können. Das Pilotprojekt sieht vor, dass das dritte Studienjahr in zwei Jahren absolviert wird und die Studierenden parallel zum Studium 40 bis 60 Prozent an einer Schule angestellt sind. Mentoratspersonen der PHBern und der Schulen betreuen und unterstützen sie dabei. Gut 20 Studierende werden bei der ersten Durchführung am Projekt teilnehmen.

Bereits heute tragen die Studierenden der PHBern massgeblich dazu bei, den Mangel an Lehrkräften abzufedern. Im Rahmen eines halbjährigen Einsatzes waren auf der Vorschul- und Primarstufe von August 2018 bis Ende Januar 2019 30 angehende Lehrerinnen und Lehrer an 20 Stellen im Einsatz. Dies im Sinne einer Notmassnahme, wenn keine diplomierte Lehrperson gefunden werden konnte. Dieses Projekt wird weitergeführt. Auf der Sekundarstufe I haben 40 Prozent der Bachelor-Studierenden eine bezahlte Anstellung an einer Schule. Auf Stufe Master sind es sogar 90 Prozent. Sie leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag gegen den Mangel an Lehrpersonen. Auch im kommenden Jahr wird die PHBern Einsätze von Studierenden ermöglichen. Diese müssen aber gut abgestimmt sein und dürfen die Qualität der Ausbildung nicht gefährden.

Die PHBern geht davon aus, dass auch die steigende Zahl von Studierenden in den Studiengängen der Grundausbildungen zu einer Linderung des Mangels an Lehrpersonen beitragen wird. Entsprechende Werbemassnahmen wurden bereits 2014 intensiviert.

Die PHBern verfolgt das Ziel, den Lehrberuf noch attraktiver zu machen und insbesondere noch mehr Personen zu erreichen, die auf dem zweiten Bildungsweg Lehrerin oder Lehrer werden wollen. Dazu braucht es aber zusätzliche, gezielte Anstrengungen und die Unterstützung der Politik.

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