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Campus Biel-Bienne der Berner Fachhochschule Expertise liegt vor – Relaunch gestartet

26. Mai 2020 – Medienmitteilung; Regierungsrat

Die Expertise zum Abbruch der Ausschreibung des Campus Biel/Bienne kommt zum Schluss, dass unter anderem hohe Ansprüche, kostentreibende Projektänderungen, enge Termine und knappe Ressourcen für die deutliche Überschreitung des Kostenrahmens verantwortlich sind. Um Kosten zu senken, wird das Projekt jetzt erneut durchleuchtet. Ein Zusatzkredit dürfte trotzdem nötig werden. Die Inbetriebnahme des Campus Biel/Bienne ist neu für 2025 statt 2022 vorgesehen. Für den Regierungsrat hat die Standortkonzentration der Berner Fachhochschule höchste Priorität. Er hat eine Taskforce eingesetzt, welche die Projektarbeiten begleitet.

Vor gut einem Jahr startete das kantonale Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) die Ausschreibung für die Suche eines Totalunternehmens zur Realisierung des Campus Biel/Bienne. Da alle Offerten deutlich über dem vom Grossen Rat bewilligten Kostenrahmen lagen, musste die Ausschreibung abgebrochen werden. Zur Abklärung der Ursachen gab die Bau- und Verkehrsdirektion eine externe Expertise in Auftrag. Die Resultate liegen nun vor.

Viele und vielseitige Ursachen

Die 49-seitige Expertise der Firma Dietziker Partner Baumanagement AG aus Basel sieht für die massive Überschreitung des Kostenrahmens folgende sieben Hauptursachen:

  • Hohe Ansprüche ans Gebäude: Das architektonisch attraktive, verwinkelte Gebäude soll komplett aus Holz gebaut werden. Laborräume kommen neben Motorprüfplätzen zu liegen und müssen daher vor Erschütterungen und Lärm gesichert werden. Viele Räume sollen flexibel nutzbar sein.
  • Kostentreibende Projektänderungen: Wie bei jedem Projekt gab es auch beim Campus Biel/Bienne immer wieder geänderte oder neue Vorgaben zu berücksichtigen. Dazu gehört auch die Forderung des Grossen Rats, Holz aus dem Berner Staatswald zu verwenden.
  • Enge Termine: Der Terminplan war knapp bemessen. Im Bestreben, der Berner Fachhochschule im nationalen Wettbewerb bald ein Gesicht geben zu können, wurden Termine unrealistisch eng gesetzt, was zu überlappenden Planungen führte.
  • Anspruchsvolle Projektorganisation: Das AGG arbeitet bei Grossprojekten mit externen Spezialisten zusammen. Aufgrund knapper personeller Ressourcen hat das Amt das externe Controlling bezüglich möglicher Terminrisken und Mängel zu wenig eng begleiten können.
  • Offene Rechtslage: Die Rechtsunsicherheit – etwa die fehlende Baubewilligung und das laufende Enteignungsverfahren – stellte für die offerierenden Unternehmen ein wesentliches Kostenrisiko dar.
  • Knappe Kostenziele: Die Kosten wurden von Anfang an zu optimistisch kalkuliert. Alle involvierten Experten haben die Kosten des komplexen Baus – auch mangels zuverlässiger Vergleichszahlen –unterschätzt.
  • Detaillierte Ausschreibung: Um den engen Terminplan einhalten zu können, wurden in der Ausschreibung zu viele Details festgelegt und damit die Optimierungsspielräume der offerierenden Unternehmen stark eingeschränkt.

Mehr Ressourcen nötig

Damit das AGG als verantwortlicher Bauherr seine Funktion besser wahrnehmen kann, will die BVD das Amt personell verstärken und seine Organisationsstruktur überprüfen. Damit soll sichergestellt werden, dass künftig genügend Personal und Zeit zur Verfügung steht, um die Termin- und Kostenrisiken zu managen.

Für den im April gestarteten Relaunch des Campus Biel/Bienne wurde das zuständige Projektteam bereits verstärkt. Bis Anfang 2021 werden die Pläne nun gründlich durchleuchtet, um Wünschbares von Notwendigem zu trennen. Angestrebt wird ein funktionaler Bau. In diesem Rahmen wird beispielsweise auch untersucht, ob Holz bei tragenden Elementen nicht durch Beton ersetzt werden soll. Da der Campus Biel/Bienne bereits als Minergie-P Eco-Bau geplant ist, wird auf das ursprünglich angestrebte Gold-Label gemäss «Standard für Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS)» verzichtet. Klar ist aber: Die Projektanpassungen dürfen und werden die Qualität von Lehre und Forschung der Berner Fachhochschule und deren Standortkonzentration nicht in Frage stellen.

Mitte 2021 sind die Optimierungsmöglichkeiten definiert und das Einsparpotenzial überprüft und beziffert. Auch wenn die Höhe der Einsparungen derzeit noch unbekannt ist, dürfte vermutlich ein Zusatzkredit an den Grossen Rat nötig werden.

Inbetriebnahme 2025 möglich

Ebenfalls bis Mitte 2021 dürfte die Rechtslage geklärt sein. Demnach kann der Bau des Campus Biel/Bienne 2022 starten. Die Inbetriebnahme ist im Herbst 2025 möglich. Ursprünglich war sie für Herbst 2022 geplant. Sollten die rechtlichen Auseinandersetzungen hingegen länger dauern, würde sich die Inbetriebnahme weiter verzögern. Bis zum Baubeginn wird die heutige Baugrube zwischengenutzt.

Mit der Verzögerung in Biel verschiebt sich auch die Realisierung des Bildungscampus Burgdorf. Dieser kann erst gebaut werden, wenn die dort angesiedelten Departemente der Berner Fachhochschule nach Biel umgezogen sind. Je nach Verlauf der juristischen Verfahren beim Campus Biel/Bienne verschieben sich Baubeginn und Inbetriebnahme des Bildungscampus Burgdorf im besten Fall um drei Jahre. Der Kanton prüft nun, ob und wie sich die nötige Erweiterung des Gymnasiums Burgdorf terminlich vom restlichen Bildungscampus-Projekt abkoppeln lässt.

Beim geplanten TecLab in Burgdorf lassen sich wichtige Teile der geplanten Aktivitäten (MINT, Weiterbildung und wirtschaftsnahe Dienstleistungen) hingegen auch umsetzen, wenn die BFH die Räumlichkeiten nun später verlässt. Dieses Projekt ist von den Verzögerungen in Biel deshalb nur am Rand betroffen.

Standortkonzentration der Fachhochschule als zentrales Projekt für den Kanton Bern

Der Regierungsrat bedauert den Umstand, dass sich die Inbetriebnahme des Campus Biel/Bienne um mehrere Jahre verzögert. Die Standortkonzentration der Berner Fachhochschule und damit verbunden die Neuausrichtung des Bildungsstandorts Burgdorf sind für den Regierungsrat zentrale Projekte zur Weiterentwicklung des Kantons, wie er das in seinen Richtlinien definiert hat. Denn die Standortkonzentration stärkt die Stellung der Berner Fachhochschule in der Schweizer Bildungslandschaft.

Parallel zum Neustart der Ausschreibungsarbeiten für den Campus Biel/Bienne hat die Regierung deshalb eine Steuerungsgruppe eingesetzt, der mit Christoph Neuhaus und Christine Häsler auch zwei Regierungsmitglieder angehören. Die Taskforce wird das Projekt Campus Biel/Bienne eng begleiten und der Regierung regelmässig Bericht erstatten. Sobald der Relaunch des Projekts abgeschlossen ist und die Eckwerte der überarbeiteten Planung vorliegen, wird die Regierung die Öffentlichkeit informieren. Die Regierung wird auch die zuständige Kommission des Grossen Rats laufend über den Stand der Arbeiten am Projekt Campus Biel/Bienne informieren. 

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