Zur Übersicht Medienmitteilungen

Biodiversität im Wald Innovatives Verfahren ermöglicht zwölf neue Totalwaldreservate

15. Juni 2020 – Medienmitteilung; Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion

Vor drei Jahren lud das Amt für Wald und Naturgefahren Waldeigentümerinnen und -eigentümer ein, Angebote für Totalwaldreservate einzugeben. Dieses innovative, marktwirtschaftliche Verfahren zeigt eine positive Bilanz: Zwölf neue Totalwaldreservate mit einer Gesamtfläche von 870 Hektaren konnten so ermöglicht werden.

In einem Totalwaldreservat wird auf einer Fläche von mindestens 20 Hektaren für mindestens 50 Jahre komplett auf die Bewirtschaftung verzichtet. Durch den altersbedingten Zerfall der Bäume entsteht Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die auf alte Bäume oder totes Holz angewiesen sind. Dazu gehören verschiedene Vogelarten wie Spechte, Eulen, Kleiber, Meisen und Rotkehlchen, Säugetiere wie Fledermäuse, Eichhörnchen, Baummarder und Siebenschläfer, aber auch Insekten, Pilze, Moose und Flechten.

Ausschreibungsverfahren

38 Waldbesitzerinnen und -besitzer bekundeten Interesse, Flächen als Totalwaldreservate zu schützen. 26 reichten ein konkretes Angebot ein und stiegen in die Verhandlungen mit dem Amt für Wald und Naturgefahren ein. In bisher zwölf Fällen konnte ein Vertrag abgeschlossen werden. Die neuen Reservate befinden sich in den Alpen, Voralpen und im Berner Jura. Das marktwirtschaftliche Verfahren hat sich insgesamt bewährt. Das Amt für Wald und Naturgefahren prüft, wie es in Zukunft eingesetzt werden soll.

Mittelland

Keinen erfolgreichen Vertragsabschluss gab es im Mittelland. Die finanziellen Anreize waren für die Waldbesitzerinnen und -besitzer zu wenig hoch. Die Wälder im Mittelland sind gut erschlossen. Die Bewirtschaftung erfolgt in der Regel kostendeckend. Ziel ist nun, die Waldleistung «Biodiversität» im Mittelland noch besser zu positionieren.

Hinweis

Vier der neuen Totalwaldreservate werden unten kurz vorgestellt. Seltene, teils geschützte Tier- und / oder Pflanzenarten kommen in allen vier vor. Zum Schutz dieser Artbestände nennt der Kanton keine Details. Zu anderen Fragen erteilen die angegebenen Kontaktpersonen gerne weitere Auskünfte.

1. Combe de Biaufond, La Ferrière (Berner Jura)
Das Reservat nördlich von La Ferrière im Einzugsgebiet des Doubs umfasst die Schluchten Combe de Biaufond und Cul des Prés. Es ist abgelegen und nur via eine Leiter und einen spektakulären Wanderweg zugänglich, der über Holzstege durch die Combe de Biaufond führt. Das 74 ha grosse Gebiet, charakterisiert durch Felsköpfe, Grate, Schluchten und Abgründe, ist waldbaulich nicht erschlossen; es gibt viele alte Bäume. Im feuchten Talgrund liegt von Moos überwuchertes Totholz am Boden. Die Felsen beherbergen als Trockenstandort seltene Waldgesellschaften.
Auskunft erteilt Philippe Heimann, Waldabteilung Berner Jura, 079 222 45 81

2. Les Roches, Orvin (Berner Jura)
Les Roches befindet sich zwischen den Dörfern Frinvillier und Orvin. Das 34 Hektaren grosse, durchgehend bewaldete Reservat liegt an einem Hang und ist durch Couloirs, Platten und Felsen strukturiert. Ein Wanderweg und eine Strasse queren das Gebiet. In den Felsen sind die Bedingungen für einen Trockenstandort seltener Waldgesellschaften gegeben; es wachsen Echte Mehlbeeren, Buchen und Eichen.
Auskunft erteilt Philippe Heimann, Waldabteilung Berner Jura, 079 222 45 81

3. Lindital, Stocken-Höfen (Voralpen)
Sehr alte Fichten wachsen in diesem 49 Hektaren grossen Reservat unter der Stockhornkette; seit 30 Jahren wurde hier nicht mehr geholzt. Felsen, Kuppen und Gräben prägen das Gebiet topografisch, die Artenvielfalt ist gross. Als Teil des Einzugsgebiets einer bewirtschafteten Alp besteht das Reservat aus einem Mosaik von Wald und Weiden. Es wird von zwei Wegen durchquert, die Teile der Alp miteinander verbinden.
Auskunft erteilt Rolf Lüscher, Waldabteilung Voralpen, 079 222 46 07

4. Hornguger, Boltigen (Alpen)
Der «Horeguger», der dem Reservat seinen Namen gibt, ist ein voralpiner, bewaldeter Hügel. Das 43 Hektaren grosse Reservat erstreckt sich darum herum und ist topographisch reich gegliedert und mit Felsköpfen und -wänden sowie Mulden durchsetzt. Hauptsächlich Nadelwald mit wenigen Laubbäumen und einigen seltenen Waldgesellschaften bedeckt den grössten Teil des Gebiets, daneben gibt es auch Weideland. Ein Teil des heutigen Reservats wurde 2002 schon als Lothar-Waldreservat ausgeschieden. Eine artenvielfältige Flora und Fauna besiedelt das Gebiet.
Auskunft erteilt Michel Brügger, Waldabteilung Alpen, 079 222 45 30

Mediendokumentation

Zur Übersicht Medienmitteilungen