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Justizvollzug Neuerungen in der JVA Thorberg und im Amt für Justizvollzug

16. Juni 2020 – Medienmitteilung; Sicherheitsdirektion

In den ersten Monaten als Thorberg-Direktor hat Hans-Rudolf Schwarz die Neuausrichtung der Justizvollzugsanstalt erarbeitet. Hauptstossrichtung ist ein «Justizvollzug nach Mass», der noch gezielter auf die individuellen Ressourcen der Eingewiesenen fokussiert. Auf Kurs ist auch die organisatorische Weiterentwicklung des Amtes für Justizvollzug, das die Arbeiten trotz der Corona-Krise weiter vorantreiben konnte.

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Thorberg ist innerhalb des elf Kantone umfassenden Strafvollzugskonkordats der Nordwest- und Innerschweiz zuständig für den geschlossenen Vollzug von 180 eingewiesenen Männern. Daraus ergibt sich eine hohe Spezialisierung auf die Sicherheit, da bei den Eingewiesenen von einer Fluchtgefahr und bei einem Teil von ihnen von einer Rückfallgefahr für schwerwiegende Delikte ausgegangen werden muss. Daher stand die Gewährleistung der Sicherheit bisher stets im Vordergrund - dieser Fokus wird auch in Zukunft beibehalten.

Nach einer fundierten Analyse und unter Einbezug der Mitarbeitenden hat Hans-Rudolf Schwarz in den ersten Monaten im Amt die Neuausrichtung der JVA Thorberg erarbeitet. Diese sieht eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Vollzugseinrichtung vor, mit der gezielter auf den individuellen Resozialisierungsprozess der Insassen eingewirkt werden kann. Das soll schliesslich zu einer weiteren Erhöhung der Sicherheit führen, wenn die Strafe einmal verbüsst ist und ehemalige Straftäter wieder in die Freiheit entlassen werden.

Neue Eintrittsabteilung klärt Potenzial von Eingewiesenen ab

Damit ein «Justizvollzug nach Mass» gelingt, wurde eine Reihe von Anpassungen vorgenommen. Neu gibt es auf dem Thorberg eine Eintrittsabteilung, bei der Stärken und risikoorientierte Defizite des Eingewiesenen gezielt abgeklärt werden. Weiter wird die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Betreuung, Gewerbebetriebe, Soziale Arbeit und Bildung/Freizeit gestärkt.

Zudem wird auch die Führungsstruktur angepasst. Konkret entstehen neben der neuen Eintrittsabteilung interdisziplinäre Vollzugsteams. Der Sicherheitsdienst wird dem Direktor direkt unterstellt, was der Bedeutung des Themas in einer geschlossenen JVA gerecht wird. Schliesslich werden Supportprozesse wie der Gesundheitsdienst oder die Führungsunterstützung in einem neuen Bereich zusammengefasst.

Die Sicherheitsdirektion und die Amtsleitung sind nach den ersten Ergebnissen der neuen Führung auf dem Thorberg zuversichtlich, dass mit der Neuausrichtung unter Direktor Hans-Rudolf Schwarz die Professionalität und Arbeitszufriedenheit in der JVA weiter gesteigert werden können.

Fortschritte bei amtsweiter Harmonisierung und beim Masterplan

Wie von Sicherheitsdirektor Philippe Müller in Aussicht gestellt, werden Querschnittsfunktionen im ganzen Amt für Justizvollzug harmonisiert. Während einer Pilotphase im Zuge der Neuausrichtung werden die bisher in der JVA Thorberg geführten Bereiche Finanzen und Personaladministration in die Zentrale des Amts für Justizvollzug integriert. Dies unterstützt die JVA bei der Fokussierung auf ihre Kernaufgaben und leistet einen Beitrag dazu, gemäss dem Harmonisierungsauftrag des Regierungsrates die Effizienz weiter zu steigern. Die Erfahrungen im Pilot werden für die weiteren Harmonisierungs-schritte genutzt.

Fortschritte sind auch bei der weiteren Konkretisierung des Masterplans zur Erneuerung der Infrastruktur im Justizvollzug erzielt worden. Für die neue Justizvollzugsanstalt im Raum Biel-Seeland-Berner-Jura sind das Betriebs- und Raumkonzept erarbeitet worden. In einem nächsten Schritt wird das Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) der Bau- und Verkehrsdirektion mögliche Standorte prüfen, ob sie für den Neubau einer JVA in Frage kommen. Der Zeithorizont der Masterplanung erstreckt sich bis ins Jahr 2032.

Ausserkantonales Interesse an Vollzugsplätzen bereits angemeldet

Der Masterplan zur Justizvollzugsstrategie des Kantons Bern hat auch im Strafvollzugskonkordat der Nordwest- und Innerschweiz die Diskussion über die Ausgestaltung der künftigen Zusammenarbeit angestossen und dazu beigetragen, die überkantonale Bedarfsplanung voranzutreiben: Es liegt bereits eine Absichtserklärung eines Konkordatskantons vor für die Belegung von Plätzen im geschlossenen Vollzug der dereinstigen Einrichtung im Raum Biel-Seeland-Berner-Jura.

Die Sicherheitsdirektion stellt erfreut fest, dass die Fortschritte in all diesen Arbeiten trotz der enormen Zusatzbelastung aufgrund der Corona-Krise erzielt werden konnten. In dieser ist es dem Amt für Justizvollzug gelungen, Ansteckungen unter den rund 1000 eingewiesenen Personen bis auf einen Fall zu vermeiden.

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