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Agglomeration Thun Verkehrsforum Thun: Uneinigkeit bezüglich der Ziele

21. Dezember 2020 – Medienmitteilung; Bau- und Verkehrsdirektion

Aufgrund der Corona-Situation wurde das zweite Verkehrsforum Thun von Mitte November in Form zweier Umfragen unter den 40 beteiligten Institutionen durchgeführt. Die Formulierung von Handlungsbedarf und Verkehrszielen zeigt auf, dass die Positionen insbesondere bezüglich des Einbahnverkehrs in der Innenstadt sehr unterschiedlich sind. Der Kanton und die Stadt haben beschlossen, zur Fortsetzung des Prozesses ein Mediatorenteam beizuziehen.

Das für den 11. November 2020 vorgesehene zweite Verkehrsforum Thun konnte aufgrund der Corona-Situation nicht wie geplant durchgeführt werden. Stattdessen erfolgten die Ermittlung des Handlungsbedarfs und der zu erreichenden Verkehrsziele aus Sicht der einzelnen Institutionen mit Hilfe zweier Umfragen. Mit der ersten Befragung wurden auch die Resultate der zusätzlichen Auswertungen der Reisezeiten auf der Hofstettenstrasse zur Verfügung gestellt. Die Nachmessungen des Kantons bestätigen den Verkehrsrückgang auf der Hofstettenstrasse seit 2014. Die Reisezeit von der Bächimatt zum Lauitor beträgt tagsüber (7 - 15 Uhr) im Durchschnitt rund 1.5 Minuten und ist damit seit 2017/2018 spürbar zurückgegangen. Zwischen 15.30 und 17 Uhr haben die Reisezeiten jedoch verglichen mit 2017/2018 zugenommen auf durchschnittlich 2.5 Minuten. Die längsten gemessenen Reisezeiten dauerten 2020 4.5 Minuten, 2017/2018 rund 5 Minuten. Die Verspätung der Busse stadteinwärts beträgt zwischen 15 und 18 Uhr im Durchschnitt 5 Minuten. Rund die Hälfte der Verspätung wird allerdings bereits zwischen Oberhofen und der Bächimatt eingefahren und somit nicht durch die Verkehrssituation in der Innenstadt verursacht. Die maximalen Reisezeitverluste, welche sich an einzelnen Tagen ergeben, haben sich gegenüber 2018, als nur der Bypass Thun Nord, nicht aber das Einbahnregime in Betrieb war, nicht erhöht. Sie treten heute im Gegensatz zu früher vorwiegend zwischen 15 und 18 Uhr auf.

Handlungsbedarf

In der ersten Befragung wurden die beteiligten Institutionen nach den Qualitäten der heutigen Situation befragt und nach dem Handlungsbedarf betreffend Autoverkehr, öffentlichem Busverkehr (ÖV) und Langsamverkehr. Als Qualitäten wurden insbesondere der Parkhausring, die Entlastung der Innenstadt durch den Einbahnverkehr, der Bypass Thun Nord, die Entlastung der Bernstrasse, das flächige Queren auf den aarequerenden Achsen (blaue Wellen), die Taktverdichtung des ÖV und die Verbesserungen für den Veloverkehr auf dem Aarequai und im Bälliz genannt. Handlungsbedarf wird beim Autoverkehr vor allem auf der Hofstettenstrasse, bei unnötigen Umwegfahrten in der Innenstadt (Einbahnverkehr) und auf dem «Innenstadtring» (Lauitor – Berntorplatz – Guisanplatz – Maulbeerplatz) geortet. Auch die Ampel bei der Einmündung des Bypass Thun Nord in die Allmendstrasse wurde mehrfach erwähnt, ebenso das Fehlen eines Mobilitätsmanagements und die zusätzliche Verlagerung von Verkehr auf den Bypass Thun Nord. Beim ÖV wird Handlungsbedarf bei der Fahrplantreue insbesondere am rechten Thunerseeufer und in Bezug auf die Überlastung des Maulbeerkreisels geäussert. Im Langsamverkehr stehen der Ausbau der Veloverbindungen in die Quartiere und die Koexistenz auf dem Aarequai im Vordergrund.

Verkehrsziele

Nach Auswertung der ersten Umfrage formulierte die Projektleitung Zielvorschläge zum Handlungsbedarf. Die Institutionen wurden gebeten, diesen Zielvorschlägen eigene Formulierungen gegenüber zu stellen. Die eingegangen Zielformulierungen und Kommentare fördern klare Interessengegensätze zu Tage. Dem häufig genannten Ziel, die mit dem Einbahnverkehr erzielte Verkehrsreduktion in der Innenstadt beizubehalten, steht die Forderung nach kürzeren Reisezeiten zwischen dem Lauitor und dem Bahnhof, sprich der Aufhebung des Einbahnverkehrs gegenüber. Das Ziel, den ÖV und den Veloverkehr zu bevorzugen und so den Umstieg zu fördern, steht im Widerspruch zum Ziel, Störungen für den MIV auf der Hofstettenstrasse und dem Innenstadtring möglichst aus dem Weg zu schaffen. Die am Verkehrsforum beteiligten Institutionen lassen sich grob in drei Lager teilen: Rund ein Drittel der Institutionen, insbesondere die Gemeinden am rechten Thunerseeufer, fordert vehement Verbesserungen für den Autoverkehr am rechten Thunerseeufer, namentlich die Aufhebung des Einbahnregimes. Rund ein Drittel der Institutionen hält zwingend an der Entlastung der Innenstadt fest. Die restlichen Institutionen stehen dieser Frage einigermassen neutral gegenüber.

Weiteres Vorgehen

Angesichts der gegensätzlichen Zielvorstellungen hat der Oberingenieurkreis I in Absprache mit der Stadt Thun beschlossen, zur unabdingbaren Annäherung der Positionen ein Mediatorenteam beizuziehen. Da die Corona-Situation die physische Durchführung des geplanten Forumsanlasses Ende Januar kaum zulassen wird und das Aushandeln von Zielen im Rahmen einer Videokonferenz mit vielen Teilnehmern wenig Erfolg verspricht, wird der Prozess vermutlich zwischenzeitlich mit kleineren Delegationen weitergeführt werden. Die genaue Vorgehensweise wird im Laufe des Januars geklärt.

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