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Jahresbericht 2020 des Kantonalen Laboratoriums Bern Analysen aus der Ferne und Hygienekontrollen mit verschärften Hygienevorschriften

3. März 2021 – Medienmitteilung; Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion

Die Mitarbeitenden des Kantonalen Laboratoriums inspizierten im vergangenen Jahr 5800 Lebensmittelbetriebe und nahmen 9500 Lebensmittel- und Trinkwasserproben unter die Lupe. Grössere Mängel stellten sie in zwei von 100 kontrollierten Betrieben fest. Der Jahresbericht 2020 zeigt auf, dass die Corona-Pandemie auch die Arbeit des Kantonalen Laboratoriums veränderte: Mitarbeitende führten beispielsweise Trinkwasseranalysen aus dem Homeoffice durch.

Die Corona-Pandemie stellte auch die Mitarbeitenden des Kantonalen Laboratoriums vor besondere Herausforderungen: Beispielsweise, weil im Frühling die Restaurants mehrere Wochen geschlossen waren und weil bei den Kontrollen in den Betrieben strikte Hygienevorschriften galten. Homeoffice sei auch für das Kantonale Laboratorium ein Thema, sagt Kantonschemiker Otmar Deflorin: «Die Mitarbeitenden analysieren Proben von zu Hause aus. Sie steuern die Geräte aus der Ferne und führen zum Beispiel Trinkwasseranalysen durch.»

Etwas weniger Kontrollen

Die Zahl der Kontrollen in Lebensmittelbetrieben (Restaurants, Käsereien, Metzgereien, Bäckereien, Trinkwasserversorgungen und Landwirtschaftsbetriebe) lag mit gut 5800 leicht unter dem Vorjahr. Bei den unangekündigten Inspektionen stellten die Kontrolleurinnen und Kontrolleure rund 3900 Mal geringfügige Mängel fest. Von 9500 untersuchten Lebensmittel- und Trinkwasserproben beanstandeten sie rund 1100 Proben, weil sie unhygienisch, verdorben oder sogar gesundheitsge­fährdend waren oder weil die Kennzeichnung nicht korrekt war. Neben der Qualität der Lebensmittel kontrollieren die Mitarbeitenden des Kantonalen Laboratoriums auch die Sauberkeit der Einrichtungen, die Selbstkontrolle, die räumlichen Verhältnisse und die Kennzeichnungen.

Grössere Mängel in zwei Prozent der kontrollierten Betriebe

Erhebliche oder grosse Mängel stellten die Mitarbeitenden des Kantonalen Laboratoriums in 146 Betrieben fest – das sind zwei Prozent der kontrollierten Betriebe. Das hat in der Regel einschneidende Massnahmen zur Folge (siehe Infobox). Am häufigsten waren Mängel bei der Selbstkontrolle, bei der Hygiene, fehlende Kennzeichnungen und zu hohe Lagertemperaturen für vorgekochte Speisen.

In gewerblichen Produk­tionsbetrieben nahmen die Kontrolleurinnen und Kontrolleure 2100 Proben von leicht verderblichen Lebensmitteln (vorgekochte Speisen, Patisserie, Schlagrahm, belegte Brötchen, Aufschnitt etc.): Davon wurden 630 Proben (30 Prozent) beanstandet. Die Gründe waren unhygienische Behandlung, nicht ausreichende Kühlung oder die Lagerung.

Die asiatische Tigermücke und Tätowierfarben

Zwei der vielen Themen, mit denen sich die Mitarbeitenden des Kantonalen Laboratoriums letztes Jahr zudem beschäftigten, waren gebietsfremde Insekten und Farbe, die unter die Haut geht: Die asiatische Tigermücke ist eine invasive Mückenart. 2019 wurden in Bern nur einzelne Exemplare gesichtet. Bei einer Begehung in einem Berner Quartier zeigte sich nun aber, dass sie auch im Kanton Bern ansässig zu sein scheint. Die Quartierbewohnerinnen und -bewohner wurde zur Mithilfe aufgefordert und es wurde ihnen gezeigt, wie sie Brutstätten verhindern können. Das Kantonale Laboratorium ist mit der Gemeinde Bern im Austausch und evaluiert das weitere Vorgehen.

Eine hohe Beanstandungsquote gab es bei Tätowierfarben und Farben für Permanent-Make-up: Zwei von drei Proben waren nicht in Ordnung. Beim Tätowieren und Permanent-Make-Up werden Farbpigmente in die Dermis-Schicht der Haut eingebracht. Im Sommer 2020 wurden 30 Proben zusammen mit dem Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt auf verbotene Farbstoffe, Konservierungsmittel, toxische Schwermetalle und krebserregende Substanzen analysiert. Von den 30 untersuchten Proben entsprachen nur 10 den gesetzlichen Vorgaben. Viele Proben waren mehrfach mangelhaft, sie enthielten insbesondere nicht zugelassene Konservierungsmittel und Farbstoffe. Alle Proben aus Europa entsprachen den gesetzlichen Anforderungen, während 17 von 20 Proben aus den USA nicht konform waren.

Jahresbericht Kantonales Labor 2020

Hinweis

Das Kantonale Laboratorium – ein Amt der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion

Seit dem 1. Januar 2020 ist das Kantonale Laboratorium (KL) ein Amt der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion (WEU). Rund 70 Personen wechselten im Rahmen der Direktionsreform von der früheren Gesundheits- und Fürsorgedirektion in die neue WEU. Das KL überwacht die Einhaltung der Lebensmittel-, Landwirtschafts-, Umweltschutz-, Chemikalien- und Strahlenschutzgesetzgebung mit gezielten Stichproben. Wenn Mängel aufgedeckt werden, ordnet das KL die Behebung an. Wenn nötig werden bestimmte Produk­tionsarten verboten oder Betriebe teilweise geschlos­sen. Bei gravierenden Mängeln wird Strafanzeige eingereicht. 2020 erfolgte in 154 Fällen eine Strafanzeige (2019 waren es 174 Strafanzeigen).

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