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Coronavirus Lehrstellenmarkt stabil, neue digitale Formen der Berufswahl

18. März 2021 – Medienmitteilung; Bildungs- und Kulturdirektion

Die Corona-Pandemie tangiert die Berufsbildung auf verschiedenen Ebenen. Die Lehrbetriebe, die Organisationen der Arbeitswelt und der Kanton Bern setzen alles daran, dass der Einstieg ins Berufsleben trotz erschwerter Umstände gelingt. Bisher mit Erfolg.

Der Lehrstellenmarkt zeigt sich glücklicherweise stabil gegenüber den Folgen der Corona-Pandemie. Bis Ende Februar wurden schweizweit 28'000 Lehrverträge mit Lehrbeginn 2021 unterzeichnet. Das entspricht dem Volumen der Vorjahre. Auch im Kanton Bern liegen die Zahlen im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (per Ende Februar 4'660 neue Lehrverträge). Es wurden sogar mehr freie Lehrstellen angeboten als in den Vorjahren. Gegenwärtig stellt das Mittelschul- und Berufsbildungsamt keine bedeutenden Unterschiede zwischen den zwei Sprachregionen des Kantons fest. Allerdings gibt es je nach Branche starke Schwankungen.

Digitale Formate in der Berufserkundung

Die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie erschweren allerdings die Berufserkundung. Informationsveranstaltungen oder Schnuppertage können oftmals nicht vor Ort durchgeführt werden. Schnuppern, um einen Beruf kennenzulernen, ist damit schwieriger geworden. In die Lücke springen digitale Formate wie die BAM.connect (Berner Ausbildungsmesse, 24. bis 26. März), die App zum virtuellen Besuch des interjurassischen Ausbildungssalons oder SwissSkills connect (120 Berufschampions reden über ihren Beruf) sowie die virtuellen Angebote der Berufsberatung.

Ergänzend bauen die Berufsfachschulen ihr Projekt «Rent a Stift» aus. Berufslernende gehen an die Volksschulen und erzählen im Rahmen des Berufswahlunterrichts über ihre Erfahrungen mit der Berufswahl, der Lehrstellensuche und der Lehre. Dieses Angebot ermöglicht Jugendlichen einen authentischen Einblick in die Berufswelt.

Es gibt noch freie Lehrstellen für 2021

Weniger stark von der Corona-Pandemie tangiert sind die Lehrstellensuche und der Selektionsprozess. Allerdings wird auch in diesen Bereichen vermehrt digital gearbeitet. Lehrstellenbörsen finden virtuell statt und viele Bewerbungsgespräche werden mit Videocalls geführt. In Branchen, welche vom Lockdown betroffen sind, läuft der Selektionsprozess teilweise verzögert ab – auch, weil keine Schnupperlehren durchgeführt werden können.

Für 2021 gibt es aber weiterhin noch freie Lehrstellen. Für noch nicht fündig gewordene Jugendliche lohnt es sich also weiterzusuchen. Um Verunsicherungen bei Lehrstellensuchenden und deren Eltern aufzufangen, haben die Berufsberatungs- und Informationszentren ihre Angebote ausgebaut. Jugendliche und Eltern können sich kostenlos beraten lassen – auch telefonisch.

Berufspraxis trotz Lockdown

Am schwersten trifft die Pandemie Lernende in Branchen, welche sich im Lockdown befinden. Geschlossene Lehrbetriebe können die Bildung in betrieblicher Praxis nicht oder nicht im gewünschten Mass sicherstellen. Auch Lernende im Homeoffice können nicht immer wie erwünscht begleitet werden. Besonders hart ist dies für Lernende, die vor dem Qualifikationsverfahren stehen.

Die Organisationen der Arbeitswelt, der Bund und die Kantone haben deshalb Ersatzformate lanciert. Im Bereich der Hotellerie/Gastronomie wird beispielsweise seit Januar im Kanton Bern in drei Betrieben unter Ausschluss der Öffentlichkeit gearbeitet: Lernende kochen und bedienen Lernende. Angeleitet werden sie von erfahrenen Berufsbildenden. Und in der Eventbranche etwa werden Konzerte im Internet übertragen. Für das richtige Licht, den perfekten Ton und die Übertragung sind Lernende zuständig.

Auch Berufsfachschulen leisten ihren Beitrag. Die Bildungszentren Interlaken und bzemme, sowie die Gewerblich-industrielle Berufsfachschule Bern bieten Lernenden aus der Gastronomie zusätzliche Praxistage an. Und die Schule für Gestaltung Bern + Biel ermöglicht Drucktechnologinnen und Drucktechnologen eine betriebspraktische Vorbereitung auf das Qualifikationsverfahren.

Keine Abstriche beim Qualifikationsverfahren

Lernende, welche ihre Lehre während der Pandemie abschliessen, machen eine vollwertige Ausbildung. Die Qualifikationsverfahren (Abschlussprüfungen) werden auch 2021 ohne Abstriche durchgeführt. Je nach epidemiologischer Lage kann sich allerdings das Prüfungssetting ändern, so wie dies bereits 2020 der Fall war.

Wie weiter nach der Lehre?

In einigen Branchen dürfte es für Lehrabgängerinnen und -abgänger schwieriger werden, eine Stelle zu finden. Die Berufsberatungs- und Informationszentren (BIZ) bieten deshalb zusammen mit den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren und den Berufsfachschulen Webinare an, welche auf den Übergang vorbereiten. Zudem haben die BIZ das Angebot «SOS-Corona-Laufbahnberatung» geschaffen, wo junge Berufsleute unentgeltlich Rat finden. Die Lehrbetriebe sind aufgerufen, am Übergang in die Arbeitswelt Hand zu flexiblen Lösungen zu bieten.

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