Zur Übersicht Medienmitteilungen

Bernische Gemeinden Erster interaktiver Bericht zu den Gemeindefinanzen zeigt gutes Gesamtresultat

29. April 2021 – Medienmitteilung; Direktion für Inneres und Justiz

Die Jahresrechnungen 2019 der Berner Gemeinden verzeichnen mehrheitlich ein gutes Gesamtresultat, trotz teils schlechterer Finanzkennzahlen. Dank den überwiegend positiven Abschlüssen im Allgemeinen Haushalt steigt der Bilanzüberschuss um total 36 Millionen Franken. Erstmals liegt der jährliche Bericht zu den Gemeindefinanzen in interaktiver Form vor. Der Vergleich der Gemeinderechnungen wird damit anschaulicher und einfacher.

Jährlich analysiert das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) in seinem Bericht über die Gemeindefinanzen die statistischen Daten zur Finanzlage der Gemeinden. Die Auswertung dient den Gemeinden für die eigene Einordnung und zum Vergleich untereinander. Der Bericht zeigt die Wirksamkeit der Finanzaufsicht des Kantons Bern im Bereich Gemeindefinanzen. Der Regierungsrat hat den Bericht und die Zahlen 2019 mit Befriedigung zur Kenntnis genommen.

Interaktive Vergleiche zwischen Gemeinden und Regionen

Zum ersten Mal erscheint der Bericht zu den Gemeindefinanzen in neuer digitaler Konzeption: Gemeinderechnungen sind auf www.be.ch/gemfin interaktiv abrufbar. Mit den zahlreichen interaktiven Visualisierungen werden die Gemeindefinanzen sowohl für interessierte Laien wie versierte Finanzspezialistinnen und -spezialisten zugänglich. Für Letztere stehen auswertbare Datengrundlagen auf Excel-Basis zur Verfügung. Die Finanzen der Berner Gemeinden werden damit transparenter und anschaulicher. Grafische Vergleiche der Kennzahlen der Gemeinden und Regionen sind möglich. Dabei zeigt sich die Heterogenität der Gemeindelandschaft des Kantons Bern:

Im Berner Jura sind zum Beispiel der mittlere Bilanzüberschuss und die mittlere Steueranlage recht hoch. Im Verwaltungskreis Frutigen-Niedersimmental ist die mittlere Einwohnerzahl besonders hoch und auch die mittleren Nettoinvestitionen erreichen die höchsten Werte im Vergleich zu den anderen Verwaltungskreisen. Das höchste mittlere Nettovermögen wird nach wie vor im Verwaltungskreis Oberaargau ausgewiesen.

Im interkantonalen Vergleich liegen die Gemeinden des Kantons Bern im Mittelfeld. Kantonsübergreifende Vergleiche sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen, weil das neue Rechnungslegungsmodell HRM 2 noch nicht flächendeckend eingeführt ist.

113 Franken Ertragsüberschuss je Einwohner/-in

Die Bilanzsituation der Berner Gemeinden ist 2019 insgesamt erfreulich: Das Eigenkapital ist solide und wächst um total 299 Millionen Franken. 36 Millionen Franken davon entfallen auf die Zunahme des Bilanzüberschusses, dem Saldo aus den kumulierten Überschüssen und Defiziten der Erfolgsrechnung. Nur eine Gemeinde (Moutier) weist einen Bilanzfehlbetrag aus. Zwei Drittel der Gemeinden (238 von 346 Gemeinden) weisen ein positives Rechnungsergebnis im Gesamthaushalt aus, 108 Gemeinden schreiben rote Zahlen. Der Ertragsüberschuss beläuft sich insgesamt auf 116 Millionen Franken. Das entspricht im Durchschnitt 113 Franken je Einwohner/-in (Vorjahr: 126 Franken je Einwohner/-in). Ob die in den letzten Jahren generell positive Finanzlage der Gemeinden auch nach der Covid-19-Pandemie anhält, hängt stark von der Struktur der Gemeinde ab und wird sich in zwei bis drei Jahren zeigen.

Enger finanzieller Spielraum bei steigenden Aufwänden und zurückhaltender Investitionstätigkeit

Die Durchschnittswerte der harmonisierten Finanzkennzahlen sind zwar weiterhin gut, aber 2019 tendenziell schlechter als im Vorjahr. Auch wenn sich die Kennzahlen in Bezug auf das Eigenkapital positiv entwickeln, signalisieren andere Finanzkennzahlen wie der Selbstfinanzierungsgrad oder der Selbstfinanzierungsanteil der Gemeinden einen enger werdenden finanziellen Spielraum.

Der grösste Aufwandsposten für die Berner Gemeinden ist mit einem Anteil von 28,0 Prozent die Soziale Sicherheit. Hier werden unter anderem die Sozialhilfe, die Ergänzungsleistungen AHV/IV und die Leistungen an Familien verbucht. Die erneute Zunahme beträgt netto 21 Millionen Franken oder 2,5 Prozent. Auch die Aufwände in der Bildung (+ 42 Millionen Franken, + 5.3%) und die Nettoinvestitionen (+ 25 Millionen Franken, + 4.3 %) steigen an. Auch wenn die Berner Gemeinden 2019 netto etwas mehr investieren, ist der Investitionsanteil rückläufig und beträgt lediglich 9,9 Prozent.

Wirkung des Finanzausgleichs

Der Bericht zeigt auch die Wirkung des kantonalen Finanzausgleichs und die Massnahmen für besonders belastete Gemeinden im Vergleich zum ordentlichen Steuerertrag. 87 Prozent der Gemeinden beziehen Leistungen aus dem Finanzausgleich. Der mittlere Nettozufluss erreicht mit 14,5 Prozent den tiefsten Stand seit der Revision des Finanz- und Lastenausgleichgesetzes (FILAG) im Jahr 2012.

Zur Übersicht Medienmitteilungen