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Frauen in Leitungsfunktionen an Mittel- und Berufsfachschulen Studie zeigt Massnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils auf

30. April 2012 – Medienmitteilung; Bildungs- und Kulturdirektion

Nach wie vor finden sich nur wenige Frauen in Gymnasien und Berufsfachschulen in einer Leitungsfunktion. Der Frauenanteil beträgt im Kanton Bern aktuell nur rund 20%. Dies soll sich ändern, findet das Mittelschul- und Berufsbildungsamt: Das Potential und die Talente von Frauen sollen in Schulleitungen vermehrt zum Tragen kommen. Gemeinsam mit der Schweizerischen Weiterbildungszentrale hat das Mittelschul- und Berufsbildungsamt eine Studie in Auftrag gegeben, die Ursachen und Handlungsmöglichkeiten aufzeigt.

Schulleitungen auf der Sekundarstufe II – sowohl in Mittelschulen wie in Berufsfachschulen – sind noch immer stark männlich geprägt. Obwohl in Gymnasien und einigen Berufsfachschulen die Lehrerinnen im Kollegium in der Überzahl sind, entscheiden sich nur wenige Frauen, eine Leitungsfunktion zu übernehmen. Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt und die Schweizerische Weiterbildungszentrale WBZ-CPS beauftragten gemeinsam die Firma econcept, in einer Studie die Gründe dafür darzulegen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

In Rahmen der Studie wurden Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleiterinnen und Schulleiter an Gymnasien und Berufsfachschulen der Kantone Bern, Solothurn und Luzern interviewt. Die Studie ortet die Gründe, die Frauen von der Übernahme eines Amtes abhalten, auf der individuellen Ebene, bei den sozialen Rahmenbedingungen, bei der Ausgestaltung der Leitungsfunktionen sowie bei der inneren Organisation der Schule.

Die Studie zeigt, dass Frauen hohe normative Ansprüche mit einer Führungsfunktion verbinden und oft wenig Zutrauen in ihre Führungsqualitäten haben. Auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen sind entscheidend: Die Vereinbarkeit von Familie, Unterrichtstätigkeit und Leitungsfunktion ist eine grosse Hürde. Es werden auch fehlende Vorbilder als Hinderungsgrund genannt. Frauen sind über die Aufgaben und Tätigkeiten einer Schulleitung nur wenig informiert. Zudem befürchten sie, dass eine Schulleitungstätigkeit schlecht planbar sei und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschwere. Auch die Freude am Unterricht ist für manche Frauen ein Faktor, keine Leitungsfunktion zu übernehmen. Die innere Organisation und die Führungskultur an Schulen sind weitere ausschlaggebende Faktoren. Schulen, die einen Anspruch auf Geschlechterparität konkret leben und auf eine Durchmischung der Schulleitung achten, können Frauen eher für Leitungsfunktionen motivieren.

Gezielte Laufbahnberatung, flexible Arbeitszeit

Die Studie definiert konkrete Handlungsfelder, um den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen: Bei der Personalentwicklung kann die Schulleitung durch eine sorgfältige und gezielte Laubahnplanung Frauen den Schritt in eine Leitungsfunktion erleichtern. Dabei sind sowohl konkrete Ermutigungen wichtig als auch praktische Fragen wie Kinderbetreuung zu berücksichtigen. Dies bedingt laut der Studie, dass Schulleitungen eine höhere Gendersensibilität aufweisen und geschlechtsspezifische Lebens- und Arbeitsrealitäten erkennen können.

Eine flexible Arbeitsgestaltung und die Möglichkeit, auch als Schulleitungsmitglied Teilzeit zu arbeiten, sind weitere wichtige Grundvoraussetzungen. Wichtig ist es auch, Vorbilder und «Good-practice»-Beispiele über die Schulgrenzen hinaus bekannt zu machen. Der Vernetzung und dem Austausch von Frauen mit und ohne Leitungsfunktion misst die Studie grosses Potential zu.

Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt ist überzeugt, dass Ressourcen und Potentiale von Lehrerinnen - und auch von Lehrern - im Sinne einer gezielten Personalentwicklung - stärker genutzt werden können. Im Rahmen einer breiteren Reflexion zu den Bereichen Personalentwicklung und Diversity Management wird das Amt nun Handlungsfelder und mögliche Massnahmen mit den Schulleitungen der Berufsfachschulen und der Gymnasien diskutieren und konkretisieren. Dazu führt es im Herbst eine Tagung mit den Schulleitungen durch, wo diese Fragen im Zentrum stehen.

Die Studie «Frauen in Führungspositionen» ist abrufbar unter
www.erz.be.ch/mittelschulen-projekte

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