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Situation auf dem Lehrstellenmarkt Lehrstellenmarkt – grosses Engagement der Ausbildungsbetriebe

9. Juni 2020 – Medienmitteilung; Bildungs- und Kulturdirektion

Die Corona-Pandemie wirkt sich im Kanton Bern bis jetzt nicht gravierend auf den Lehrstellenmarkt aus. Seit dem Lockdown nehmen die Lehrvertragsabschlüsse zwar langsamer zu, aber die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist weiterhin gross. Bis am 1. Juni 2020 wurden 7827 neue Lehrverträge abgeschlossen. Das sind 416 oder 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Derzeit gibt es im Kanton Bern immer noch mehr freie Lehrstellen als Lehrstellensuchende. Damit möglichst alle Jugendlichen eine Anschlusslösung finden, können die Betriebe ausnahmsweise bis Oktober rekrutieren. Gleichzeitig verstärkt der Kanton das Lehrstellenmarketing.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen den Lehrstellenmarkt im Kanton Bern bis jetzt weniger stark als befürchtet. Der Grossteil der Schulabgängerinnen und -abgänger fand bereits vor der Coronakrise eine Lehrstelle. Der Lockdown hat den Rekrutierungsprozess nicht zum Erliegen gebracht. Die Betriebe konnten neue Verträge abschliessen und damit in den Fachkräftenachwuchs investieren. Dadurch liegt die Zahl der Lehrvertragsabschlüsse im Kanton Bern im Moment mit 7827 Verträgen nur leicht unter dem Vorjahresniveau. Das Engagement der Ausbildungsbetriebe ist angesichts der Herausforderungen sehr bemerkenswert. 

Dass die Lehrvertragsabschlüsse per 1. Juni leicht tiefer sind, dürfte damit zusammenhängen, dass die Betriebe wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten mit dem Abschluss noch zuwarten oder dass Corona den Rekrutierungsprozess in einigen Betrieben und Berufen verzögert oder behindert hat, insbesondere in Berufen, die vom Arbeitsverbot betroffen waren oder in systemrelevanten Berufen. So gibt es beispielsweise im Coiffeurgewerbe, in der Gastronomie und bei den Fachfrauen/-männern Gesundheit noch deutlich mehr offene Lehrstellen als im vergangenen Jahr. Im kantonalen Lehrbetriebsportal LENA sind derzeit insgesamt 1731 Lehrstellen offen, das sind 4,5 Prozent mehr als 2019.

Leichte Unterschiede zwischen dem deutsch- und dem französischsprachigen Kantonsteil

Im deutsch- und französischsprachigen Kantonsteil ist die Situation der Lehrstellenbesetzung generell etwas unterschiedlich. Vertragsabschlüsse finden im französischsprachigen Kantonsteil tendenziell später statt, das letzte Drittel erst Ende Sommer. Die grossen Firmen haben aber bereits vor dem Lockdown neue Lernende rekrutiert. Bei der schulischen Ausbildung ist die Nachfrage im französischsprachigen Kantonsteil höher, weil diese Ausbildungsform noch immer sehr beliebt ist. Bei den Brückenangeboten ist die Nachfrage ähnlich gross. Viele Jugendliche melden sich vorsorglich an. Die Ausbildungsplätze wurden bereits im ganzen Kantonsteil erhöht. Wie viele Jugendliche konkret noch auf Stellensuche sind, wird die Auswertung der Umfrage bei den Abschlussklassen Ende Juni zeigen.

Direkteinstieg in die Ausbildung bleibt oberstes Ziel

An der gezielten Förderung des Direkteinstiegs der Jugendlichen in eine Ausbildung wollen Bund und Kanton weiter festhalten und die Zuweisung in Zwischenlösungen klein halten. Sie zählen dabei auf die Lehrbetriebe, denn Ausbilden lohnt sich für beide Seiten und ist für die Zukunft der Berufsbildung wichtig. Die Bildungs- und Kulturdirektion appelliert an die Lehrstellensuchenden wie auch an die Betriebe, ihre Bemühungen fortzusetzen und wo immer möglich Lehrverträge abzuschliessen. Damit den ausbildungswilligen Betrieben und den Lehrstellensuchenden wegen Corona möglichst kein Nachteil entsteht, hat der Bund die Einstellung von neuen Lernenden auch bei Kurzarbeit erlaubt. Zudem haben die Kantone die Frist für Lehrvertragsabschlüsse bis zu den Herbstferien verlängert.

Berufsberatung unterstützt bei der Lehrstellensuche

Die Lehrstellensuchenden des 9. Schuljahres und in Zwischenlösungen können weiterhin auf die bewährten Dienstleistungen der Berufsberatung zählen. Auch während des Lockdowns hat die Berufsberatung ihre Unterstützung online fortgesetzt und die Jugendlichen über Telefon, Video, Live-Chat oder E-Mail beraten. Ausserdem hat sie kurzfristig einen InfoService (Hotline täglich 10-18 Uhr) und einen neuen Chat unter www.berufsberatung.ch eingerichtet. Seit dem 11. Mai können die verschiedenen Beratungsdienste wie auch das Coaching und das Case Management Berufsbildung wieder in Präsenz genutzt werden. Die Berufsberatung wird zudem auf den Sommer das Unterstützungsangebot Support + auf den ganzen Kanton ausweiten.

Im Berufswahlprozess ist es wichtig, dass sich die Jugendlichen nicht vorschnell auf einen einzigen Beruf versteifen und dass sie ihre Fähigkeiten und Neigungen genügend ausloten. Dabei helfen Schnupperlehren, die ab sofort wieder möglich sind und unbedingt genutzt werden sollten. Die Erfahrungen der Schnupperlehre sind die Basis für einen soliden Lehrstellenentscheid.

Zusätzliche Massnahmen und Angebote

Der Kanton hat für die Bewältigung der aktuellen Lehrstellensituation eine interdirektionale Arbeitsgruppe zum Thema Anschlusslösungen eingesetzt. Es werden mehr Plätze und Klassen für das berufsvorbereitende Schuljahr BPA geschaffen. In den ersten zwei Wochen des neuen Schuljahres sind Speed-Datings für Lehrstellenanbietende und Lehrstellensuchende geplant, die noch bis Herbst einen Lehrvertrag eingehen möchten. Weitere Massnahmen und Angebote sind in Vorbereitung und sollen bei entsprechendem Bedarf umgesetzt werden. Für die zusätzlichen Angebote kann der Kanton über den Förderschwerpunkt «Lehrstellen Covid-19» beim Bund finanzielle Unterstützung beantragen.

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