Zur Übersicht Medienmitteilungen

Zweisprachigkeit im Kanton Bern Expertenkommission für Paradigmenwechsel

12. November 2018 – Medienmitteilung; der Expertenkommission über die Zweisprachigkeit

Der Kanton Bern kann nur gewinnen, wenn er das Potenzial, das sich aus dem Miteinander von zwei Sprachen und Kulturen ergibt, noch besser ausschöpft. Die vom Regierungsrat eingesetzte Expertenkommission und ihr Präsident, Ständerat Hans Stöckli, haben einen Bericht mit 46 Empfehlungen zur Förderung und Stärkung der Zweisprachigkeit erarbeitet und vorgelegt. Für die Kommission geht es nun darum, einen Paradigmenwechsel vorzunehmen.

Die im September 2017 eingesetzte Expertenkommission hat in einem über 100-seitigen Bericht eine Standortbestimmung zur Zweisprachigkeit und deren Entwicklungsmöglichkeiten im Kanton Bern vorgenommen. In einer Umfrage bei 500 Personen konnte der Puls der Bevölkerung in allen Regionen gefühlt werden. Mehr als zwei Drittel der Befragten (69 %) sind der Auffassung, dass die Zweisprachigkeit den Kanton attraktiver macht. Alle Regionen des Kantons Bern messen der Partnersprache ausserdem grosse Bedeutung zu und sind dafür sensibilisiert, auch wenn deren Beherrschung und Gebrauch von einer Region zur anderen stark variieren.

Wirtschaftlicher und kultureller Trumpf

Für die Kommission ist es eine klare Tatsache: Es braucht einen Paradigmenwechsel, und man muss aufhören, die Zweisprachigkeit nur vor dem Hintergrund des Minderheitenschutzes, der Kosten oder der Komplikationen zu betrachten, erklärte Kommissionspräsident Hans Stöckli am Montag (12. November) vor den Medien. Dass es im Kanton Bern zwei Sprachgemeinschaften und zwei Landessprachen gibt, sei eine Chance, die ergriffen werden müsse. Gemäss den Experten müsse man daraus eine Besonderheit des Kantons Bern machen.

Die Expertenkommission schlägt eine dreiteilige kantonale Zweisprachigkeitsvision vor – für den kantonalen Zusammenhalt, für die Positionierung des Kantons Bern in der Schweiz sowie für den nationalen Zusammenhalt.

Die Zweisprachigkeit, die eine gegenseitige kulturelle Bereicherung der Sprachgemeinschaften ist, fördert die Offenheit, die Vielfalt, die Toleranz und die Anpassungsfähigkeit und erleichtert letztlich das Erlernen weiterer Sprachen. Sie ist ein Trumpf für den Tourismus und für die Vermittelbarkeit der Bevölkerung auf dem Arbeitsmarkt. In wirtschaftlicher Hinsicht macht sie den Kanton sowohl für die Westschweiz als auch für die deutsche Schweiz zu einem interessanten Standort und ermöglicht ein Wachstum und eine Diversifizierung des bernischen Wirtschaftsgefüges.

Neues Gesetz und finanzielle Mittel

Die Experten haben 46 Empfehlungen zur Stärkung der Zweisprachigkeit verfasst: 10 strategische, 23 wichtige und 13 wünschenswerte. Der Kommission ist es ein besonderes Anliegen, dass die Weiterentwicklung der kantonalbernischen Zweisprachigkeit zu einem Schwerpunkt der Richtlinien der Regierungspolitik 2019-2022 wird.

Um dieses starke politische Signal zu unterstützen, müsste der Regierungsrat die nötigen finanziellen Ressourcen bereitstellen. Die Schaffung eines Zweisprachigkeitsgesetzes – als Ergänzung zum Sonderstatutsgesetz – würde es ermöglichen, den Gebrauch der Amtssprachen, die Förderung der Zweisprachigkeit und die Bereitstellung finanzieller Mittel in Einklang zu bringen.

Die Expertenkommission empfiehlt die Bildung eines kantonalen Zweisprachigkeitsförderungsfonds, aus dem private und öffentliche Projekte finanziert werden könnten. Im Rahmen der Wirtschaftsstrategie 2025 sollen verschiedene Massnahmen erarbeitet werden, um das Wachstum der Bevölkerung, insbesondere der Frankophonen, im Kanton Bern zu fördern. Ausserdem sollten die Sprachkompetenzen in der zweiten Amtssprache auch in der Kantonsverwaltung verbessert werden.

Schlussfolgerungen der Regierung bis im Sommer

Die Expertenkommission hat ihren Bericht dem Regierungsrat zur Kenntnisnahme vorgelegt. Dieser wird die verschiedenen Empfehlungen prüfen und dann beschliessen, welche Strategie er umsetzen will, um die Zweisprachigkeit zu fördern. Er dürfte seine Schlussfolgerungen bis im kommenden Sommer vorlegen, wie Vizestaatsschreiber David Gaffino erklärte.

Mediendokumentation

Zur Übersicht Medienmitteilungen