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Umsetzung 2019-2020 des Berichts der Expertenkommission Zweisprachigkeit Kantonale Zweisprachigkeit auf gutem Weg

25. Juni 2020 – Medienmitteilung; Regierungsrat

Sprachaustausch, zweisprachiger Unterricht, kantonale Personalstrategie, Zweisprachigkeit in den Spitälern, in der Kultur oder in der Wirtschaft, Unterstützung der französischsprachigen Tageszeitung: Ein Jahr nach Beginn der Umsetzung des Berichts der Expertenkommission Zweisprachigkeit fällt eine erste Bilanz positiv aus. Der Regierungsrat stellt in den meisten der zehn betroffenen Bereiche Fortschritte fest, auch wenn sich einige Projekte insbesondere wegen der Coronavirus-Pandemie verzögern.

Die Stärkung der kantonalen Zweisprachigkeit kommt voran. Der Regierungsrat hat die erste Bilanz in Bezug auf die Umsetzung der 26 Massnahmen, die vor einem Jahr im Zusammenhang mit dem 2018 unter dem Vorsitz von Ständerat Hans Stöckli veröffentlichten Bericht der Expertenkommission Zweisprachigkeit beschlossen wurden, mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Er hat die Staatskanzlei beauftragt, die Koordination und die Folgearbeiten mit allen Direktionen fortzusetzen und die Zusammenarbeit mit den Partnern, wie dem Rat für französischsprachige Angelegenheiten des Verwaltungskreises Biel/Bienne (RFB), dem Bernjurassischen Rat (BJR), dem Forum für die Zweisprachigkeit und dem Verein BernBilingue, weiterzuführen.

Der Regierungsrat hat die Stärkung der Zweisprachigkeit damit zu einer seiner politischen Prioritäten, die in den Regierungsrichtlinien 2019–2022 festgehalten sind, erhoben. Ein Jahr nach Beginn der Umsetzungsarbeiten können in den meisten betroffenen Bereichen Fortschritte festgestellt werden, auch wenn es auf mehreren Baustellen wegen der Coronavirus-Pandemie zu Verzögerungen gekommen ist.

Bildung

Die Bildung gehört zu den Schwerpunkten dieser Entwicklungen. Im Bereich des schulischen Sprachaustauschs sind für 2020 mehrere Projekte – von den Kitas über die Volksschule bis hin zu den Hochschulen – auf gutem Weg. Es sollen namentlich individuelle Sprachaustausche/Sprachaufenthalte während der obligatorischen Schulzeit zwischen Schulen beider kantonaler Sprachregionen ermöglicht werden. Um solche Austauschprojekte zu erleichtern, wurde eine Zusammenarbeit mit dem Verband bernischer Gemeinden in die Wege geleitet.

Einen zweisprachigen Unterricht auf Volksschulstufe, Sekundarstufe II und Tertiärstufe gibt es vor allem schon in der Region Biel, aber auch an Gymnasien im übrigen Kanton. Auf Volksschulstufe werden im Rahmen der laufenden Lehrprojekte zusätzliche Mittel für die Schulen gewährt. Sehr gut sieht die Situation an den Gymnasien aus, komplizierter ist es bei der Berufsausbildung. Was die Tertiärstufe betrifft, so haben sich sämtliche Hochschulen des Kantons im Rahmen einer Arbeitsgruppe getroffen, mit dem Ziel, im Herbst 2020 eine vom Forum für die Zweisprachigkeit koordinierte nationale Plattform für Sprachtandems für die schweizerischen Hochschulen zu gründen.

Der Regierungsrat hat weiter das im April veröffentlichte Inventar des zweisprachigen Unterrichts im Kanton Bern und die darin enthaltenen Erwartungen zur Kenntnis genommen.

Verwaltung, Medien und Gesundheit

Die vom Regierungsrat verabschiedete Personalstrategie 2020–2023 sieht namentlich eine Verbesserung der Sprachkompetenzen des Kantonspersonals sowie eine Erhöhung des Anteils französischsprachiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (derzeit bei knapp über 8 %) vor. Zunächst sollen die bestehenden Massnahmen gestärkt und ausgebaut werden (Sprachtandems und Sprachkurse), ab 2022 wird dann ein umfassenderes Konzept erarbeitet.

Um in der Kantonsverwaltung die Verbreitung der französischsprachigen Tageszeitung, die den Sprachtandems als Grundlage dienen, zu fördern, wurden 100 Jahresabonnemente für das «Journal du Jura» abgeschlossen. Für den Regierungsrat ist dies gleichzeitig eine Unterstützung der einzigen französischsprachigen Tageszeitung mit Sitz im Kanton Bern, die das politische, wirtschaftliche, kulturelle, soziale und sportliche Leben auf Französisch sichtbar macht und so die Zweisprachigkeit im Kanton Bern fördert.

Der Ausbau der Zweisprachigkeit in den Spitälern wurde wegen der Coronavirus-Pandemie etwas abgebremst, die Arbeiten können aber fortgesetzt werden. Das Forum für die Zweisprachigkeit ist daran, das Spitalzentrum Biel 2020 erneut mit dem Zweisprachigkeitslabel zu zertifizieren. Unterstützt vom BJR und vom RFB laufen zudem zweisprachige Projekte am Inselspital Bern, am Spitalzentrum Biel und am Hôpital du Jura bernois.

Image der Zweisprachigkeit und Sensibilisierung

Für die Umsetzung der Massnahmen im Bereich Sensibilisierung, Image und Wahrnehmung der Zweisprachigkeit ist die Staatskanzlei in Zusammenarbeit mit ihren Partnern, wie dem Forum für die Zweisprachigkeit, dem RFB und dem BJR, zuständig. Mit dem seit 1. Januar 2020 gültigen neuen Corporate Design wird das Berner Kantonswappen systematisch mit dem Zusatz «Kanton Bern / Canton de Berne» ergänzt, um so auf die Zweisprachigkeit des Kantons hinzuweisen. Nach jahrelangem Hin und Her konnte zudem ein kollektiver Erfolg gefeiert werden: Die seit der Eröffnung 2016 der A5-Autobahnumfahrung Biel/Bienne nur auf Deutsch bestehende Beschilderung wurde im Herbst 2019 durch eine durchgehend zweisprachige Beschilderung ersetzt.

Für die diesjährige BEA wurde ein der Zweisprachigkeit gewidmeter grosser spielerischer und multidisziplinärer Stand organisiert. Da die BEA wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt werden musste, laufen bereits Gespräche, um das Projekt möglichst 2021 durchführen zu können.

Kultur und Wirtschaft

Die Unternehmen und die kulturellen Institutionen waren von der Coronavirus-Pandemie im Frühling 2020 besonders stark betroffen. Damit verzögerten sich die Anstrengungen zur Förderung der Zweisprachigkeit in diesem Bereich. Das Amt für Kultur arbeitet weiter daran, die Zertifizierung «Engagement für die Zweisprachigkeit» – ein Zweisprachigkeitslabel «light» – zu erhalten. Die Gespräche über die Vergabe eines Zweisprachigkeitspreises in der Kultur wurden verschoben.

Das von Stadt Biel, Kanton Bern und Bund subventionierte Forum für die Zweisprachigkeit führt im Wirtschaftsbereich verschiedene Projekte durch, u. a. die Verleihung eines Preises für die Zweisprachigkeit in der Wirtschaft, dies mit Unterstützung der Berner Kantonalbank. Ausserdem ist ein Barometer der Zweisprachigkeit in der Wirtschaft des Kantons Bern in Erarbeitung.

Ausblick

Auf der Grundlage dieser ersten positiven Bilanz beauftragt der Regierungsrat die Staatskanzlei, die Koordination dieses Projekts fortzusetzen, damit der Kanton Bern seine regionale Vielfalt pflegen und das Potenzial der Zweisprachigkeit verstärkt nutzen kann, wie es in Ziel 4 der Regierungsrichtlinien 2019– 2022 («Engagement 2030») heisst.

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