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Campus Biel/Bienne und Campus Bern der Berner Fachhochschule (BFH) Beachtliche Einsparpotenziale identifiziert

9. Februar 2021 – Medienmitteilung; Regierungsrat

Um den Campus Biel/Bienne realisieren zu können, müssen Kosten reduziert werden. Eine umfassende Überprüfung zeigt: Das Einsparpotenzial liegt zwischen 30 und 45 Millionen Franken. Trotz Einsparungen werden aber Zusatzkosten im höheren zweistelligen Millionenbereich anfallen. Die Erkenntnisse aus Biel sind auch in die Projektierung des Campus Bern eingeflossen. Hier konnten Optimierungen von 20 bis 24 Millionen realisiert werden.

Im September 2019 hat das Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) des Kantons Bern die Ausschreibung zur Suche eines Totalunternehmens (TU) für die Realisierung des Campus Biel/Bienne der Berner Fachhochschule (BFH) abgebrochen. Die Offerten lagen deutlich über dem bewilligten Kreditrahmen. Eine von der Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern (BVD) in Auftrag gegebene Expertise zeigte, dass verschiedene Faktoren zur Kostenschere geführt hatten. Die aufgrund der offenen Rechtslage ohnehin anfallende «Wartezeit» (Enteignung, Bauordnung und -bewilligung) nutzte die BVD für einen Relaunch des Campus Biel/Bienne. Parallel dazu flossen die in den vergangenen zehn Monaten beim Bieler Campus gewonnenen Erkenntnisse in die Optimierung des Campus Bern der BFH und in weitere kantonale Grossbauprojekte ein.

52 Einsparpositionen beim Campus Biel/Bienne

Beim Projekt in Biel/Bienne hat das AGG insgesamt 174 Positionen untersucht. Als nicht machbar respektive nicht zweckmässig erwiesen haben sich der Wechsel von einem Holz- zu einem Massivbau, das Auslagern hochspezifischer Labors und eine generelle Flächenreduktion. Demnach lässt sich auch das BFH-Weiterbildungszentrum für technische Disziplinen, das im benachbarten Switzerland Innovation Park eingemietet werden soll, nicht in den Campus integrieren.

Die Überprüfung hat gezeigt, dass bei 52 Positionen ein Einsparpotenzial zwischen 30 und 45 Millionen Franken besteht. Eingespart wird unter anderem durch Vereinfachungen beim Holzbau, bei der Fassade, bei der Materialisierung der Innenausstattung und bei technischen Einrichtungen. Statt über eine eigene Energiezentrale erfolgen Heizen und Kühlen neu mit Fernwärme und Seewasser. Zudem wird auf ein Parkgeschoss verzichtet.

Trotz bedeutender Einsparungen werden zur Realisierung des Bieler Campus nach derzeitigen Erkenntnissen zusätzliche Kosten im höheren zweistelligen Millionenbereich anfallen. Diese Zusatzkosten lassen sich erst Ende Sommer 2021 genauer beziffern, wenn ein neuer Kostenvoranschlag vorliegt. Heisst der Grosse Rat die Zusatzkosten gut und können die juristischen Verfahren – insbesondere die Enteignung – in nützlicher Frist abgeschlossen werden, scheint ein Bezug des Campus Biel/Bienne im Herbst 2025 aus heutiger Sicht realistisch.

Campus Bern auf rund 200 Positionen optimiert

Während beim Campus Biel/Bienne bereits ein Bauprojekt vorliegt, befindet sich der Campus Bern noch in einer früheren Phase der Projektierung, mit entsprechend grösseren Handlungsspielräumen. So liessen sich die Erfahrungen aus Biel in die bei Grossprojekten üblichen «Optimierungsrunden» integrieren. Beim Campus Bern wurde das Kostenreduktionspotenzial von mehreren hundert Positionen untersucht, knapp 200 davon wurden direkt ins Vorprojekt integriert. Zum Beispiel wird das Gebäude auf dem nördlichen Baufeld verkleinert und vereinfacht, und ein Teil der Gebäudetechnik wird neu auf dem Dach statt in teuren Untergeschossen platziert. Unproduktive Verkehrsflächen wie etwa Treppenaufgänge werden zugunsten von Nutzflächen verkleinert. Das Optimierungspotenzial beläuft sich auf 20 bis 24 Millionen Franken.

Als Bestandteil des kantonalen Entwicklungsschwerpunkts (ESP) Ausserholligen ist der Campus Bern in eine Vielzahl von Nachbarprojekten Dritter eingebettet und – zum Beispiel bei der Gestaltung der Campus-Aussenräume und bei den Zubringerachsen – direkt von deren Umsetzung abhängig. Um den Campus realisieren zu können, muss die Stadt Bern zudem die Überbauungsordnung Weyermannshaus-Ost anpassen. Trotz dieser Verzahnung und der Umsetzung der Erfahrungen aus Biel wird eine Inbetriebnahme des Campus Bern 2026 weiterhin angestrebt.

Mehr Dialog

Bei den TU-Ausschreibungen setzt der Kanton auf Dialog. Den TU soll so wenig wie möglich und so viel wie nötig vorgegeben werden, damit sie selbst weitere Optimierungen einbringen und Kostenreduktionen realisieren können. Für Biel ist ein Dialogverfahren vorgesehen. Die rechtliche Grundlage dazu kann im Kanton Bern noch im laufenden Jahr geschaffen werden.

Bei beiden Campussen wird der in der kantonalen Energieverordnung verankerte Minergie-P-Standard verlangt. Auf eine Zertifizierung nach ECO wird beim Campus Biel/Bienne verzichtet. Dennoch sollen zentrale ECO-Elemente realisiert werden, um gesunde, ökologisch verträgliche und nachhaltige Gebäude erstellen zu können. Bei verhältnismässigen Kosten wird der «Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz» (SNBS) beibehalten, da viele Label-Elemente ohnehin in beiden Projekten und bei Minergie-P berücksichtigt sind.

Erkenntnisse sind in weitere Grossprojekte eingeflossen

Um aus den Erfahrungen aus Biel zu lernen, hat das AGG auch andere laufende Grossprojekte überprüft. Sowohl beim Polizeizentrum Bern, beim Bildungscampus Burgdorf, beim medizinischen Forschungszentrum der Universität Bern und beim Ersatzneubau des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts wurden speziell juristische und terminliche Risiken analysiert. Die Kosten der Bauprojekte werden zudem auch stark durch den Zeitpunkt, die Detaillierung und das Modell der Auftragsausschreibung beeinflusst.

Ob sich die ehrgeizigen Zeitpläne tatsächlich einhalten lassen, hängt unter anderem von Ausschreibeverfahren, Bewilligungsverfahren, der Parallelität verschiedener kantonaler Grossprojekte und von finanziellen und personellen Ressourcen ab. Um das AGG zur Bewältigung der zahlreichen Projekte personell ausreichend zu dotieren, ist der Regierungsrat bereit, den Personalbestand dem effektiv anfallenden Bauvolumen entsprechend aufzustocken.

Der Kanton Bern und die BFH sind für die Zukunft gerüstet und blicken dieser positiv entgegen: Mit den Einsparungen in beiden Campussen werden Lehre und Forschung der BFH sowie deren Weiterentwicklung nicht tangiert.

Mediendokumentation

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